FIGURENTHEATER

queer papa queer

Eine intensive Ost-West-­Geschichte über ein verschwiegenes Coming- Out als biografische Recherche

Ute Kahmann geht auf die Spur ihres Vaters – Foto: Marcus Lieberenz

Zuerst ist es eine mutige, sehr persönliche Geschichte, wenn die Spielerin Ute Kahmann eine kleine Kiste auspackt, mit der ihr Vater sich vor zehn Jahren, kurz vor seinem Tod, von ihr verabschiedete. Mit dem Inhalt – rosa Flitterzeug, Erinnerungsstücke und jede Menge Kondome – offenbarte der Vater seine ein Leben lang verschwiegene Homosexualität. Ihre Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zum Vater wurde zu einem Forschungsprojekt über Homosexuelle in der DDR, wobei der Blick nach drüben nicht ausbleibt.

Da waren so viele Fragen und Widersprüche. Kahmann war noch ein kleines Kind, als der Vati auf einmal weg war, drüben im Westen. Es wurden Berge von Briefen gelesen, Interviews gemacht, das Schwule Museum besucht, Akten im Stasi-Museum gesichtet. Vor allem aber wurden sinnlich starke Szenen aus den Lebenswegen von Vater und Tochter entwickelt, die Ute Kahmann als Spielerin in faszinierender Vielseitigkeit umsetzt. An ihrer Seite der geniale Felix Kroll, der in Musik überträgt, was mit Worten kaum sagbar ist. Bühnenbildner Stephan Rätsch hat der Stoff-Fülle kräftige Bilderrahmen entgegengesetzt, so dass das Spiel mit Puppen wie durch ein Vergrößerungsglas erscheint.

Eine Inszenierung, die von Zerrissenheit, Lebensmut und dem Kampf um Akzeptanz erzählt. BARBARA FUCHS

1.2., 20 Uhr, Schaubude Berlin, Greifswalder Straße 81–84, Prenzlauer Berg. Regie: Heike Scharpff; mit Ute Kahmann, Felix Kroll (Komposition, Live-Musik). Eintritt 16,50, erm. 11 €