Radtour 35

Radtour durch das Havelland

Die Tour Brandenburg verbindet drei Buga-Standorte – und die Havel mit der Elbe

Vielleicht sollten wir eine Entwarnung vorweg schicken. 70 Kilometer hören sich viel an, aber wer über eine durchschnittliche Fitness verfügt, also ab und zu den Müll herunterbringt, der braucht sich keine Sorgen machen, auf halber Strecke liegen zu bleiben. Ein Rechenbeispiel: Auf dem flachen Land schafft der Freizeitradler selbst mit Gepäck rund 15 Kilometer in der Stunde. Für 70 Kilometer müssen also rund fünf Stunden veranschlagt werden. Drei vormittags, zwei am Nachmittag. Easy.

Diese Radtour führt durch das westliche Havelland, vorbei an drei Standorten der Bundesgartenschau Buga. Daher heißt die Tour auch Buga-Radweg, was ein wenig irreführend ist, denn den Radweg gab es schon vorher. Die Buga hat hier die Tour Brandenburg gekapert, also übernommen. Zur Orientierung dienen daher zwei Schilder, der rote Adler oder eben das blaue Schild „Buga-Route“.

Noch bis Oktober werden die Blumen auf der Bundesgartenschau gepflegt und gegossen. Das Eintrittsticket gilt für alle fünf Standorte. Ein Standort, der Flugplatz Stölln/Rhinow, dürfte auch Technikfans gefallen. Es lohnt also bereits in Rathenow eine Karte zu kaufen und über das Gelände im Zentrum der Stadt zu spazieren. Radfahren ist leider nicht erlaubt.

Die ersten sieben Kilometer mit dem Rad aus Rathenow heraus sind etwas mühsam. Es geht parallel neben einer Straße entlang, was den Fahrgenuss etwas schmälert, auch wenn sich der Verkehr in Grenzen hält. Idyllisch ist der Blick ab Semlin auf den Hohennauener See. Weiter geht es durch abgelegene Dörfer, bis der berühmte Gollenberg ins Blickfeld gerät. An diesem unternahm Otto Lilienthal ­diverse Flugversuche. 1896 stürzte er dabei ab und starb wenig später in Berlin. Aber auch ein weiteres Ereignis machte diesen Ort in der Luftfahrt weltberühmt. Im Oktober 1989 landete zu Ehren Lilienthals auf der 900 Meter langen Graspiste eine Iljuschin Il-62 der DDR-Fluggesellschaft Interflug. Es dürfte eine der gefährlichsten im Voraus geplanten Landungen in der Fluggeschichte gewesen sein. Das Flugzeug, derzeit Teil des Buga-Geländes, kann heute noch besichtigt werden.

Spannend und erstaunlich modern gestaltet ist auch das Museum über Otto Lilienthal im Ort Stölln. Die Ausstellung erklärt sehr anschaulich die eigentliche Leistung des Flugpioniers, dessen thermischen Berechnungen bis heute Gültigkeit haben. Aber auch andere Erfindungen des Physikers werden dort vorgestellt.

Nach dem Museumsbesuch überquert der Radweg die Havel bei Strohdehne. Parallel zum Fluss, der aber selten in den Blick fällt, geht es nach Havelberg, der einzige Buga-Standort in Sachsen-Anhalt. Zudem die letzte Gelegenheit einzukehren. Unser Tipp: Das beschauliche Bilderbuchcafé im Zentrum (Am Markt 7, Mo 9.30–18 Uhr, Mi–So 9.30–21 Uhr). Aus Zeitgründen war der Besuch des Buga-Geländes nicht mehr möglich. Zehn Kilometer sind es noch bis zum Bahnhof bei Glöwen. Und zugegeben: Auch ein trainierter Fahrer hat nach dem Tagespensum etwas schwerere Beine. Martin Hildebrandt

Foto: Buga-Zweckverband

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