Gutshaus Steglitz

Rebecca Raue baut auch ein Zelt

Die Berliner Künstlerin thematisiert Kolonialgeschichte – in einer
Steglitzer Bürgervilla

Seit Jahresbeginn dient das hübsche, klassizistische Gutshaus Steglitz als kommunale Galerie. Die erste Ausstellung bestritt Rosa Loy, nun nutzt die Künstlerin Rebecca Raue die Räume, um ein wenig zu stänkern. In ihrer Ausstellung „Notizen vom Rand der Zeit“ befasst sich die Tochter des Berliner Anwalts und Kunstförderers Peter Raue mit der kolonialen Geschichte des um 1800 erbauten Steglitzer „Wrangelschlösschens“.

©Bernd Borchardt

Installationsansicht 2019, aus Rebecca Raues Ausstellung „Notizen vom Rand der Zeit“
©Bernd Borchardt

Abzüge von Fotos und Gemälden aus dem 19. Jahrhundert, die etwa den Indigenen-Häuptling Red Cloud oder eine Patientin einer Nervenheilanstalt zeigen, hat Raue teils übermalt und mit Slogans versehen: „Wildheit erwarten“ steht in Krakelschrift auf den Werken, „Männlichkeit üben“ oder schlicht „Liberty“. Bilder von Frauen und Opfern des Kolonialismus erobern die frühere Villa eines preußischen Ministers.

Raues Intervention ist mal effektvoll, etwa, wenn man sich Fotos historischer Objekte in einer Glasvitrine anschaut – und sich fragt, wie zeitgemäß solche ethno­logischen Arrangements noch sind. Dann wieder wird einem der Kontrast zwischen bürgerlichem Ambiente und Unterdrückungsgeschichte allzu signalfarben in Form eines bunten Stoff-Iglus vor die Nase gesetzt.

Bis 23.6.: Gutshaus Steglitz, Schlossstr. 46, Steglitz, Mo–So 10–18 Uhr, Eintritt frei