Kino

Reise nach Jerusalem

Man kennt das titelgebende alte Kinderspiel: Eine Gruppe von Mitspielern bewegt sich um im Kreis angeordnete Stühle, doch ein Stuhl ist immer zu wenig. Und wer dann beim Anhalten der Musik keinen Sitzplatz findet, ist draußen – der pure Stress.

Genauso ergeht es Alice (Eva Löbau). Sie ist gut ausgebildet (irgendwas mit Medien) und doch eines Tages durch sämtliche Raster gefallen. Jetzt ist Alice arbeitslos und muss lernen, mit dieser Situation umzugehen. Bewerbungen, dämliche Fortbildungen vom Arbeitsamt, Langeweile, Geldknappheit – immer prekärer wird die Situation für die 39-Jährige. Dennoch versucht sie verzweifelt, nach außen hin den Schein zu wahren, gegenüber Bekannten und der Familie. Schließlich ist sie sogar von Obdachlosigkeit bedroht. Was tun?

Foto: Filmperlen

Seit 2005 lebt die italienische Autorin und Regisseurin Lucia Chiarla („Bye Bye Berlusconi“) in Berlin. In ihrem beim Achtung Berlin Festival zu Recht preisgekrönten Film dekliniert sie den sehr realistisch in Szene gesetzten Abstieg einer Frau schmerzhaft durch – und hat mit der wunderbaren Eva Löbau die ideale Hauptdarstellerin. Denn Löbau geht seit ihrem Durchbruch mit Maren Ades Debüt „Der Wald vor lauter Bäumen“ (2003) gerne ungeschützt dahin, wo es wirklich weh tut. Ein kraftvolles Drama, das an die Nieren geht. 

D 2018, 118 Min., R: Lucia Chiarla, D: Eva Löbau, Veronika Nowag-Jones, Axel Werner, Beniamino Brogi, Start: 15.11.

Infos und Termine

Reise nach Jerusalem (2018)