URAUFFÜHRUNG

Revolt. She said. Re­volt again / Mar-a-lago

Feministische Doppelpremiere

Ausverkauf: Güldenberg, Ishema, Nathan – Foto: Julian Röder

Zwei neue Texte von feministischen Autorinnen und eine coole Rapperin. Das sind die vielversprechenden Zutaten der Doppelpremiere im „Fokus:Gender“ am BE. Musik, Video und Ausstattung kommen poppig daher. Warum also hat der Abend so wenig Wumms?

Mit allzu viel Brimborium verflacht die junge österreichisch-bulgarische Regisseurin Christina Tscharyiski zwei eigentlich interessante Texte. Oder geben die wirklich so wenig her? Unter dem Titel „Revolt.“ erlahmt die sprach- und dominanzkritische Szenenfolge der Britin Alice Birch zunehmend nach starkem Auftakt, in dem eine ­Vagina als mächtiges Organ gefeiert wird; all­umfassendes Leid angesichts der Gewaltverhältnisse zwischen den Geschlechtern. Irgendwann ist jeglicher Furor verpufft.

„Mar-A-Lago“, eine böse Farce von der österreichischen Schriftstellerin Marlene Streeruwitz, nimmt im zweiten Teil die letzte Feminismus-Dekade aufs Korn: Schauspielerinnen unterschiedlichen Alters spielen Schauspielerinnen. Allerdings solche, die es nicht drauf haben, sich aus der Abhängigkeit des Intendanten und Ex-Liebhabers zu lösen. Sie bleiben nörgelnde Dienstleisterinnen des Patriarchats.

Das starke Ensemble um Anita Vulesica und Astrid Meyerfeldt wirkt hier und da leicht verloren. In der (vermutlich verunglückten) Lesart dieses Abends stellen die Autorinnen dem Feminismus kein gutes Zeugnis aus. Auch der kraftvolle Gesang von Rapperin Ebow bringt keine Rettung. ANNA OPEL

6. + 8.11., 19.30 Uhr, Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, Mitte. Regie: Christina Tscharyiski; mit Anita Vulesica, Astrid Meyerfeldt, Ebow u.a., Eintritt 22–29 €