Kino

Rey

1858 reiste der französische Anwalt Orélie-Antoine de Tounens nach Chile, um das Königreich von Araucana und ­Patagonien zu gründen – mit sich selbst als König. Die gefürchteten Führer der ­Mapuche-Indianer krönten ihn zum ­König – und wäre nicht die Verhaftung durch die chilenische Regierung dazwischengekommen, würde das Königreich heute noch existieren. Oder? Die einzige historische Quelle für den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte sind die Memoiren von de Tounens selbst.

Regisseur Niles Atallah hat für seinen Film über den König oder Fantasten eine Form gewählt, die der löchrigen historischen Beweislage entspricht: Er hat auf analogem Filmmaterial gedreht, das er jahrelang vergraben hat und das entsprechend beschädigt ist. Die Kratzer, Löcher und Faulspuren geben den Bildern etwas Experimentelles, verhindern jede Anmutung von Realismus und werden effektiv eingesetzt: Die wildesten Kratzspuren finden sich im Moment der Königskrönung und in de Tounens Fieberträumen.

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Foto: Real Fiction

Atallah mischt Inszenierungsstile: Klassische Historienfilm-Sequenzen wechseln ab mit Maskentheater-Szenen, historischen Naturaufnahmen und reinen Experimentalsequenzen. Während der ersten halben Stunde hält einen allein dieser Stilwechsel bei der Stange: Immer wenn man glaubt, sich auszukennen, ist man plötzlich in einem anderen Film. Aber die ­Geschichte ist leider zu dünn für 90 Spielfilmminuten.

Chile 2017, 90 Min., R: Niles Atallah, D: Rodrigo Liboa, Claudio Riveros, Start: 3.1.

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