Musik

Ride

Comeback wegen Brexit: Die Vorzeige-Wimps Ride knüpfen an ihre Glanzzeiten in den frühen 90er-Jahren an

„Charm Assault“, das erste Lebenszeichen von Ride nach knapp 20 Jahren, machte seinem Titel alle Ehre. Schwerelose Gitarrenakkorde, ein durchlüfteter, hochmelodiöser Wall-of-Noise, darin eingebettet Mark Gardeners reverb-verhangene Stimme und im richtigen Moment eine euphorische Hookline, die die verwaschenen Wah-Wah-Texturen in Richtung Dream Pop öffnet.

Die Vorzeige-Wimps von Anfang der 90er-Jahre wissen, worauf die Fans so lange gewartet hatten. Das Ende der Band verlief damals unrühmlich, mit persönlichen Animositäten und ziellosen Alben, die sich dem Britpop-Boom peinlich anbiederten. Ihr drittes Album wurde später sogar aus dem Labelkatalog gestrichen, als hätte es nie existiert.

Die Rückkehr Rides auf der Welle eines nicht für möglich gehaltenen Shoegaze-Revivals, im Windschatten von My Bloody Valentine, nahezu zeitgleich mit exzellenten Reunionen von Lush, Swervedriver und Slowdive, lässt gnädig über die Fehler der Vergangenheit hinwegsehen.

Ride haben ihren Signatursound leicht modernisiert, ohne die alte Fans vor den Kopf zu stoßen. Die Shoegaze-Ästhetik hat sich überraschend gut gehalten, aber Ride kokettieren mit Synthie-Pop und Krautrock. Keiner weiß, was die Band dazu bewegt hat, mit „Weather Diaries“ noch einmal ein Album aufzunehmen (sie behaupten: der Brexit), aber 90er-Nostalgikern dürfte das wohl egal sein.

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