MUSICAL

Rio Reiser. König von Deutschland

Rio lebt und träumt – in Potsdam

Rios Scherben: Moritz von Treuenfels – Foto: HL Böhmer

Die Bühne ist im Beton-Shabby-Schick gestaltet und funktioniert als Probenraum ebenso wie als WG-Wohnzimmer oder öffentliche Bühne für die Auftritte der Scherben. Es ist die Zeit Anfang der 70er, das politische Klima aufgeheizt, in Berlin geht am Mariannenplatz der Häuserkampf los. Die Band Ton Steine Scherben um Sänger und Songwriter Rio Reiser liefert die Slogans.

Volkslieder wollte Reiser schreiben, später sind es Schlager. Aber was für welche! Wie verrückt und ehrlich, wie rau und sprunghaft, wie mutig und kitschig sie wirklich sind, das ist jetzt, rund 20 Jahre nach Reisers Tod, in Potsdam wieder zu erfahren.

Das Team des Hans-Otto-Theaters haut die Songs mit einem satten Sound und schönen lauten Bässen auf die Bühne. Der junge Moritz von Treuenfels kann wahrscheinlich sogar besser singen als die Legende Rio, und er schafft es, nicht zu schön zu singen. Er gibt den Rio-Anverwandler (mit Perücke!), man meint tatsächlich den „echten“ Rio, zu sehen, gerade weil er ihn nicht imitiert.

Nur leider führt das Theaterstück von Heiner Kondschak kein starkes Eigenleben, sondern umrahmt die Scherben-Reiser-Diskografie lediglich mit biografischen Infos (Fachberater war Rio-Bruder Gerd Möbius). Der traurige, versoffene König von Deutschland stirbt am Ende mit „Junimond“ und ersteht mit der Zugabe „Für immer und dich“ wieder auf. REGINE BRUCKMANN

1., 15., 22. + 27.12., 19.30 Uhr, Hans Otto Theater, Schiffbauergasse 11, Potsdam.
Regie: Frank Leo Schröder; mit Moritz von Treuenfels, Katrin Hauptmann, Denia ­Nironen. Eintritt 25–43, erm. 17,50–30 €

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