MUSIKTHEATER

Rio Reiser – Mein Name ist Mensch

Rock & Revolution im Schillertheater

Blutsbrüder: Frédéric Brossier (als Rio Reiser) mit Kai Dannowski – Foto: Franziska Strauss

Vita und Songs von Rio Reiser als ­roter ­Faden – dieses Rockmusical ist auch eine Zeitreise von den späten 60ern bis in die frühen 90er Jahre, von der kämpferi­schen ­Revolutionsmentalität über den Rückzug ins Private (und bei Ton Steine Scherben auch aufs Land) bis hin zur Wiedervereinigung und dem Sieg des Kommerz.

Das alles erzählen Regisseur Frank Leo Schröder und Gert C. Möbius (Rio Reisers Bruder) stringent anhand ­einzelner Stationen im Leben des Sängers, sie thematisieren dabei dessen Schwulsein ­ebenso wie die Sauferei und so manches ­unwirsche Verhalten, aber auch die Geldknappheit und das ständige Hinterfragen des eigenen Tuns.

Die große ­Stärke des Abends aber ist die ­Musik – und eben die brachte dem elfköpfigen ­Ensemble bei der Premiere stehende Ovationen ein. Da knallen die Gitarrenriffs (Ton ­Steine Scherben war zuallererst eine Rockband), die Dame im Nachbarsitz bekommt bei „Jenseits von Eden“ fast ­einen Herzkasper.

Aber die schauspielernden ­Musi­ker sind auch zu harmonischen ­Chorgesängen fähig und retten damit sogar verkannte späte Solosongs von Rio, die teils böse nach Plastik klangen. Über allem thront Fréderic Brossier in der Titelrolle – mit Stimm­gewalt, Ausdruck und der Souveränität, auch mal die anderen Könner vorzulassen. MARTIN SCHWARZ

9.–12.10., 15., 17.–19.10., 20 Uhr, 13.+20.10., 18 Uhr, 16.10., 15.30 Uhr, Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater, Bismarck­str. 110, Charlottenburg. Regie: Frank Leo Schröder; mit Frédéric Brossier, Frederic Böhle, Daniel Splitt, Hans Gurbig, Eintritt 16–47 €