SOZIALDRAMA

Roberto Zucco

Das aufBruch Ensemble überzeugt mit seiner Wiederentdeckung des  Koltès-Dramas

Starke Gesellschaftsdiagnose: aufbruch-Ensemble – Foto: Thomas Aurin
ZITTY-Bewertung 6/6

Bernard-Marie Koltès hatte in den 8oer- und 90er-Jahren Theaterkonjunktur. Sein 1988 geschriebenes Sozialdrama „Roberto Zucco“ erzählt, ausgehend von einer realen Figur, die Geschichte eines Underdogs, eines Randständigen: Ein Serienmörder, der Vater und Mutter tötet, ist die Hauptfigur in dem ungemein sprachmächtigen Drama, das die soziale Bedingtheit gesellschaftlicher Gewalt untersucht.

Das ist der Ausgangspunkt für Regis­seur Peter Atanassow, der die Frage thema­tisiert, warum unsere Gesellschaft zunehmend an Empathie einbüßt. Die Figur wird auf die Spieler aufgeteilt und das Stationendrama rollt bis hin zum ­Suizid des Protagonisten ab. Mal chorisch sprechend, dann athletisch körperbetont agierend, spielt das hochkonzentrierte Gefangenen-­Ensemble eine dunkle im Verfall befindliche Welt vor, die durch Gewalt bestimmt ist.

In einer konstrastiven Dramaturgie, ganz dem Autor folgend, der immer wieder auf die eigentliche Komik seiner düsteren Dramen verwiesen hat, garnieren die Darsteller ihre intensive Aufführung mit Hans-Albers-Liedern. Koltès’ Gesellschaftsdiagnose jedenfalls – und in dieser Aufführung wird der Autor und besonders sein dichter Text neu entdeckt – ist heute poli­tisch weiter brandaktuell. AXEL SCHALK

15.,17.,20.,22., 24.3, 17.30 Uhr, JVA Berlin, Friedrich-Olbrich-Damm 40, Wedding. Regie: Peter Atanassow; mit Abuko, Batek, Elvis, Francesco Escudos, Jamal, Jalal, Jetmir, Karim, LOQ, Mido, Mimo, Nerde, Sameda, Serif, Walid, Volkan. Eintritt 14, erm. 9 € (Karten nur ab 16 Jahren und mit persönlicher Anmeldung mindestens 5 Tage vor der Vorstellung unter shop.gefaengnistheater.de oder über Kasse der Volksbühne 030 / 240 65 777, tägl. 12-18 Uhr)

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