Science Ficton

Rogue One: A Star Wars Story

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis …

ZITTY-Bewertung 6/6
ZITTY-Bewertung 6/6

Na gut, um ehrlich zu sein, war es vor 40 Jahren in England und Tunesien und an noch einigen anderen Drehorten. Da schuf der aufstrebende Jungregisseur George Lucas abseits von allen Hollywoodregeln einen kleinen, schmutzigen Science-Fiction-Film. Der Film hieß „Krieg der Sterne“, und er änderte alle Spielregeln, die bis dahin für Kinofilme galten.

Schnelles Vorspulen: Vergessen wir mal die Fortsetzungen und Prequels. Vor vier Jahren verkaufte George Lucas sein gesamtes Firmenimperium für vier Milliarden Dollar an Disney. Und das Haus der Maus hat natürlich nur eines im Sinn: das Franchise so weit wie möglich auszuquetschen. Vor einem Jahr startete eine neue Film-Trilogie unter der Ägide von TV-Legende und Wunderproduzent J.J. Abrams. Doch obwohl „Star Wars Episode VII – Das Erwachen der Macht“ durchaus unterhaltsam war, unterm Strich lieferte Abrams vor allen Dingen Fanservice ab. Es gab nur wenige neue, überraschende Momente.

Rogue One: A Star Wars Story..Darth Vader..Foto: Lucasfilm/ILM..©2016 Lucasfilm Ltd. All Rights Reserved.

Die Zeit zwischen den neuen Folgen will Disney mit stand-alone-Filmen füllen, die erzählerische Lücken in der großen Saga schließen sollen. „Rogue One“ ist nun das erste Ergebnis dieses Plans, und der Film könnte – ganz ähnlich wie der allererste „Star Wars“-Film – die Spielregeln verändern. Denn dies ist nicht mehr der „Krieg der Sterne“, wie ihn die vorige Generation kannte.

Die Geschichte, die der britische „Godzilla“-Regisseur Gareth Edwards erzählt, kann man mit einem Satz zusammenfassen: Eine Gruppe von Rebellen soll die Pläne für den Todesstern klauen. Die Drehbuchautoren Chris Weitz („About A Boy“) und Tony Gilroy („Bourne“-Serie) springen damit vor den ersten „Star Wars“-Film, der heute als „Episode IV – Eine neue Hoffnung“ bekannt ist. Da macht es durchaus Sinn, dass „Rogue One“ an klassische Kriegs- und Söldner-Epen der 70er Jahre, wie „Das dreckige Dutzend“ oder „Die Wildgänse kommen“, erinnert. Felicity Jones, die deutsche Zuschauer vielleicht aus dem BBC-Dreiteiler „Verschwörung“ kennen, und Diego Luna („Y Tu Mamá Tambièn“) sind die Anführer einer multiethnischen Gruppe, die dem bösen galaktischen Imperium einen Kampf bis aufs Messer liefert. Ihnen gegenüber steht unter anderem der 1994 verstorbene Peter Cushing in seiner Rolle als Kommandant Tarkin; CGI macht’s möglich, das Ergebnis ist verblüffend.

„Rogue One“ ist böse, düster und realistisch. Und genau deshalb hasst Amerikas neue Rechte den Film jetzt schon und hat zum Boykott aufgerufen: Vermutlich hat sie erkannt, dass mit dem Galaktischen Imperium sie selbst gemeint ist. Denn wie schon die erste „Star Wars“-Trilogie hat auch dieser Film Ober- und Untertöne, Schichten, die auf der einen Seite bis ins Politische reichen, auf einer anderen Ebene mit der Mythentheorie eines Joseph Campbell spielt. Auch wenn man diesen Film sehen und verstehen kann, ohne im nerdigen „Star Wars“-Universum heimisch zu sein, so hat Edwards doch viele kleine Ostereier und Augenblinzler eingebaut, die den geneigten Fan zum Johlen bringen. Gleichzeitig verknüpft er geschickt die Kinofilme mit den beiden TV-Serien. Seine Taktik, einen Schritt zurück – an den Anfang der Serie – zu machen und dadurch zwei Schritte nach vorne, könnte sich als Glücksfall für die ganze Serie erweisen.

USA 2016, 134 min, R: Gareth Edwards, D: Felicity Jones, Diego Luna, Alan Tudyk (Stimme), Mads Mikkelsen, Forest Whitaker, James Earl Jones (Stimme), Jimmy Smits

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