Coming-of-Age-Theater

Rohe Herzen

In die Gefühlswelt von fünf Jugendlichen und die Herausforderungen erster Lieben führt dieses Jugenddrama.

Pubertäres Bällebaden: Erik Born, Hanni Lorenz – Foto: Christian Brachwitz

Eines der schönen Jugendworte ist „übertrieben“. Da weiß man nie: Meint’s, dass jetzt jemand wirklich zu dick aufträgt, oder spricht’s für eine leise Faszination? In diesem Sinne tut man diesem Jugendstück „Rohe Herzen“ von Laura Desprein (das bereits einen arte-Kurzfilm inspirierte) kein Unrecht, wenn man sagt: Es ist ganz schön übertrieben.

Denn einerseits ist das schon ein bisschen fett, wenn Regisseur Volker Metzler seine Akteure wild züngelnd und knutschend ins Bällebad schickt, oder wenn Erik Born als selbsternannter „Bitchler“ (= Mädchentyp) sich nackig macht und gockelnd rumpost. Überhaupt halten sich die Akteure des Stücks immer wieder ziemlich selbstgewiss die Nöte der Jugendlichen vom Leib: den Liebesfrust, das Ringen mit dem Coming-out, mit Jungfräulichkeit, mit der Trennung der Eltern, mit dem zerstörerischen Ruf, die Bitch der ganzen Gegend zu sein.

Aber dann ist diese Inszenierung eben doch auch immer wieder „übertrieben“ im guten Sinne. Mit herrlichem Tempo, einer berührend schrägen Karaoke-Einlage von Hanni Lorenz, behutsamen Ausflügen in eindringlichen Realismus von Kinga Schmidt und Filip Grujic. Den Zarah Leander-Klassiker „Nur nicht aus Liebe weinen“ singen sie leitmotivisch. Und in ihren besten Momen­ten vergessen sie dessen Abgeklärtheit.
CHRISTIAN RAKOW

6.3., 5. + 6.4., 19 Uhr, Theater an der Parkaue, Parkaue 29, Lichtenberg. Regie: Volker Metzler; mit Erik Born, Filip Grujic, Hanni Lorenz, Kinga Schmidt, Nina Maria Wyss. Eintritt 13, erm. 9 €