NACHRUF

Rolf Hochhuth ist gestorben

Der Berliner Dramatiker, einer der umstrittensten deutschen Nachkriegsautoren, ist gestern 89-jährig verstorben.

Rolf Hochhuth – Foto: A. Savin / CC BY-SA 3.0

Sein bestes, wichtigstes und kontroversestes Drama war zugleich sein erstes. Als Rolf Hochhuths Stück „Der Stellvertreter“ an der Freien Volksbühne Berlin (heute Haus der Berliner Festspiele) 1963 in der Regie von Erwin Piscator uraufgeführt wurde, löste es den bis dahin größten Theaterskandal in der Geschichte der BRD aus. Der junge Hochhuth behandelte darin die allzu passive Haltung des Papstes Pius XII und der katholischen Kirche gegenüber dem Massenmord an den Juden während der NS-Zeit. Es wurde ein veritabler Welterfolg, der den gelernten Buchhändler zu einem wohlhabenden Autor machte.

15 Jahre später bewirkte er mit seinen Recherchen zum Stück „Juristen“ über die Rolle früherer Nazi-Richter in der BRD den Rücktritt des damaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten und früheren Marinerichters Hans Filbinger. Theater als Tribunal.

Streitbar war Hochhuth immer, legendär seine Scharmützel in den 90er- und Nullerjahren mit dem damaligen BE-Intendanten Claus Peymann, dem er (über seine Ilse-Holzapfel-Stiftung war Hochhuth Besitzer des Theatergebäudes) immer wieder die alljährliche Aufführung eines seiner Stücke aufzwang.

Doch Hochhuths akribisch recherchierte Dokumentardramen waren oft eher inhaltlich als ästhetisch interessant. Es brauchte Regisseure wie Einar Schleef damit wie in der Uraufführung des Wiedervereinigungs-Stück „Wessis in Weimar“ (1993 am Berliner Ensemble) beides zusammen kam. Die Kritik und das Publikum waren begeistert, Hochhuth nicht. Sein Streit mit Schleef über die ihm zu wenig werkgetreue Inszenierung füllte wochenlang die Feuilletons der frisch wiedervereinigten Republik.

Hochhuth war ein politischer Autor, seine Stücke sind oft leidenschaftliche Anklageschriften, immer geht es ihm dabei um Eindeutigkeit, aufklärerische Genauigkeit. Seine detaillierten Regieanweisungen sind geradezu Edikte. Eine Irritationen setzende Vieldeutigkeit des Bühnenspiels, wie sie etwa Schleef meisterlich beherrschte, war ihm unheimlich. So war Hochhuth eher ein Journalist, der statt Leitartikel Dramen schrieb. Immer kämpferisch, immer streitbar, immer politisch.

Gestern ist der Schriftsteller und Dramatiker, wie sein Verleger heute mitteilt, im Alter von 89 Jahren in seiner Berliner Wohnung gestorben.