Jahresrückblick 2018

Heinrich Stößenreuther

Heinrich Strößenreuther
Foto: Volksentscheid Fahrrad/Norbert Michalke

Heinrich Stößenreuther ist leidenschaftlicher Fahrradfahrer – aber er will dabei nicht draufgehen. Deswegen initierte er zusammen mit anderen Aktivisten den Volksentscheid Fahrrad. Ziel: Ein Gesetz zum Schutz von Radlern. Er hatte Erfolg, seit Juni ist das Mobilitätsgesetz in Kraft.


Wie haben Sie den Moment erlebt, als das Mobilitätsgesetz verabschiedet wurde?

Auf der Tribüne im Abgeordnetenhaus saß ich, als Deutschlands erstes Radverkehrs- und Mobilitätsgesetz verabschiedet wurde. Und war gespannt: Wer stimmt für und wer gegen Sicherheit auf den Straßen, wer will mehr Radverkehr und mehr Klimaschutz? Dann der Durchbruch, Erleichterung, „Habemus Mobilitätsgesetz“ auf Twitter.

Es brauchte 34 Monate bürgerliches Engagement. Hunderte, die den gewählten Volksvertretern den Rücken für die Verkehrswende stärkten. Nach all der Zeit und Arbeit hat mich dieser Triumph sehr gerührt. Heute zählt der Club der Radentscheide 15 städtische Initiativen: Von Stuttgart bis Bamberg, von Darmstadt bis Hamburg stehen Menschen auf, weil sie nicht länger auf feige Politiker jeder Couleur warten wollen.

Meine Angst bleibt aber, dass der sich selbstbejubelnde Senat trotz Budget, Personal, Rückhalt und gesetzlichem Zwang nicht liefern wird: Der Zick-Zack-Radweg und gerade mal 950 Meter gesetzeskonformer Radweg nach 24 Monaten mit rot-rot-grüner Regierung stehen dem BER-Desaster leider in nichts nach. Der Radverkehr und meine Politikverdrossenheit wachsen zweistellig, die Radwege leider nicht. Verkehrswende und erfolgreicher Klimaschutz gehen anders.

Trotzdem war es ein Tag zum Jubeln für alle, die mitgewirkt haben: ob im Volksentscheid, beim ADFC, bei den Grünen, der SPD, der Linken oder dem Senat – einen Tag lang haben wir in Sekt geduscht und waren nett zueinander. Mein Fahrrad, ein Geschenk des Volksentscheid-Teams, und ich radelten bei herrlichstem Sommerwetter zur Kampagnenabschluss-Party nach Treptow – ein Trip mit Hochgefühl!

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