Jahresrückblick 2018

Jaafar Abdul Karim

Jaafar Abdul Karim
Jaafar Abdul Karim
Foto: imago/Horst Galuschka

Jaafar Abdul Karim ist Moderator bei der Deutschen Welle. In seiner arabischsprachigen Sendung „Shababtalk“ diskutiert er Themen, die im arabischen Raum umstritten sind: Homosexualität und die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Nach einer leidenschaftlichen Rede der Sudanesin Weam Shawky zum Thema bekam der Moderator Morddrohungen von religiösen Extremisten.


Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie von Extremisten bedroht wurden?

Ich trete ein für Freiheit und Menschenrechte. Trotzdem war es wie ein Schock, als mich Extremisten im Internet bedroht haben. Berlin empfinde ich als Stadt der Freiheit, der Vielfalt und der Toleranz. Das soll sie bleiben, auch für mich. Deswegen dachte ich mir: Jetzt erst Recht. Ich habe keinen Bock drauf, mich einschüchtern und in meiner Freiheit einschränken zu lassen. Genau so wenig, wie ich mich von den Rechten und ihren „Hau ab“- Rufen bei der Pegida-Demonstration 2015 habe entmutigen lassen.

Denn das ist es ja, was diese Leute wollen: Dass ich einknicke und mich ihren menschenverachtenden Vorstellungen beuge. Trotzdem hat der Vorfall großen Einfluss auf mein Leben. Die Deutsche Welle hat in Zusammenarbeit mit der Berliner Polizei Sicherheitsmaßnahmen zu meinem Schutz eingeführt. Das ist gut und hilft mir, mich sicherer zu fühlen.

Aber wenn ich nachts durch die Straßen laufe, ziehe ich seitdem meine Kapuze über den Kopf. Ich drehe mich viel öfter um, schaue nach rechts und links und wünsche mir, dass ich Augen im Hinterkopf hätte. Gleichzeitig bewegt meine Sendung unglaublich viele Menschen. Menschen aus der arabischen Community, die sich nicht gehört fühlen und denen ich eine Stimme gebe. Das gibt mir Kraft.

Sender Freies Berlin