Jahresrückblick 2018

Kevin Kühnert

Kevin Kühnert
Kevin Kühnert
Foto: imago/IPON

Kevin Kühnert, Chef der Jusos, ist sowas wie der Naseweis der SPD. Er fällt auf: mit abweichenden Meinungen, mit unkonventionellen Sprüchen, mit der immer wiederkehrenden Forderung, die SPD müsse sich erneuern, ihr soziales Profil schärfen. Im Januar 2017 positionierte er sich vehement gegen eine neue große Koalition.


Bevor die SPD „Ja“ zur Groko sagte, traten so viele Menschen wie schon lange nicht mehr in die Partei ein – um dagegen zu stimmen. Seitdem geht es steil bergab. Wie fühlt sich diese Achterbahnfahrt an?

Es gibt einen schönen Artikel der „Welt“ vom 17. Januar 2018. Er ist überschrieben mit: „Seeheimer Kreis warnt vor Absturz der SPD auf 15 Prozent bei GroKo-Nein“. Elf Monate und eine Große Koalition später steht die SPD bei? Genau, 15 Prozent.

Doch da ist kein Triumphgefühl, nirgends. Vielmehr macht sich Ärger breit. Ärger darüber, dass meine Partei innerhalb kürzester Zeit zwei große Torchancen verstolpert hat. Denn sowohl die anfängliche Euphorie rund um Martin Schulz, als auch die Abstimmung über die Große Koalition haben Tausende politisiert und mobilisiert. Viele von ihnen sind heute noch dabei, doch das Knistern des Moments ist vorerst vorüber.

Und so ist der Blick auf das Jahr 2018 für Sozialdemokraten ein betrübter, weil wir vieles hätten besser machen können. Vermutlich sogar müssen. Doch der Rückblick zeigt eben auch, dass auf die Entwicklung der SPD zutrifft, was auch für den Klimawandel gilt: von Menschen gemacht, durch Menschen aufhaltbar. Wenn man nicht zu lange wartet.

Die Situation der SPD ist eben keiner Naturkatastrophe geschuldet, sondern politischen Fehlern. Nicht die Idee der Sozialdemokratie verliert an Zustimmung, sondern die SPD verliert an Zustimmung. Das ist unschön, aber lösbar. 2018 war Teil der Ursache des Problems, 2019 wird hoffentlich Teil der Lösung. Fingers crossed!