Jahresrückblick 2018

Klaus Hidde

Louisiana-Sumpfkrebse sind nicht heimisch in Deutschland. Aber wegen der milden Winter in den letzten Jahren vermehrten sie sich rasant und krochen nach Regenfällen im Sommer über die Wege im Tiergarten. Klaus Hidde bekam im Mai das erste Mal die Erlaubnis, sie zu fangen. Übrigens: Die Tiere gelten als Delikatesse.


War es ein gutes Gefühl, als Sie die erste Reuse voll mit Krebsen aus dem Teich im Tiergarten geholt haben?

Im Februar hat das Fischereiamt nach jemandem gesucht, der die Teiche im Tiergarten und im Britzer Garten von den vielen Sumpfkrebsen befreit. Ich muss zugeben: Ich habe mich aus finanziellen Gründen beworben. Aber ich hatte auch das Gefühl, der Natur und der Stadt etwas zurückzugeben, wenn ich die invasiven Sumpfkrebse bekämpfe. Ich war der einzige Bewerber und erhielt den Zuschlag. Ich musste in Reusen investieren, mit ungewissem Erfolg, auch wegen des Vandalismus im Tiergarten. Reusen im Wert von 1.000 Euro wurden mir geklaut. Und trotzdem habe ich mir umsonst Sorgen gemacht: Als ich Ende April nach einem Tag 400 Krebse in den Reusen fand, war ich erfreut. Als ich dann 1.300 Krebse in vier Reusen im Britzer Garten fing, war ich euphorisch. Dafür tauchte ein anderes Problem auf: Wohin mit den ganzen Krebsen? Ich hatte schon lange nach möglichen Abnehmern gesucht. Aber die fragten immer nur, was sie denn mit Sumpfkrebsen anfangen sollen. Isst ja hier keiner.

Zu meiner Überraschung haben sich dann die Medien des Themas angenommen: In Japan, Amerika, China, Russland – die Berliner Sumpfkrebse waren auf einmal in aller Munde. Ich bekam kostenlose Werbung und einen Markt für die Krebse. Auf einmal war die Nachfrage nach den Krebsen größer als das Angebot, auch, weil ich so viele gefangen habe und deshalb weniger Krebse da waren. Berühmt wollte ich nie sein. Aber die Aufmerksamkeit hat mich stolz gemacht und mir Selbstvertrauen gegeben. Andere Fischer haben mich dafür gelobt, dass nun endlich mal positiv über die Fischerei berichtet wird.

Die Sumpfkrebse in den Teichen haben mir Arbeit beschert. Wenn ich die Ausschreibung im nächsten Jahr gewinne, ist das ein ordentliches Zubrot für mich. Ich habe die Sumpfkrebse lieber auf dem Teller als im Teich, wo sie sich ausbreiten und die heimischen Arten verdrängen. Am Ende werden wir sie nicht ganz ausrotten können, dafür ist zu lange nichts geschehen. Aber ich habe gemerkt, dass ich mit meiner positiven Einstellung und mithilfe wohlgesonnener Medien viele Menschen auf das Problem der invasiven Arten aufmerksam machen kann. Das Thema wurde in Deutschland viel zu lange vernachlässigt.