Jahresrückblick 2018

Tacheles

Foto: Astrid Liazza

Auf dem Gelände des Tacheles an der Oranienburger Straße baut ein Projektentwickler ein ganzes Stadtviertel inklusive Büros, Wohnungen und Geschäften. Die Macher des alten Tacheles haben derweil ein neues Projekt gestartet.


Wie haben Sie sich gefühlt, als die Bauarbeiten auf dem Gelände des alten Tacheles an der Oranienburgerstraße im Mai begannen?

Tim Roeloffs: Das Projekt, das jetzt auf dem Gelände des Tacheles entsteht, wird vielleicht Tacheles heißen. Aber es wird ein Fake sein. You cannot turn back da clock. Leider. Tacheles war schließlich nur eins von den vielen fantastischen Projekten in der Aufbruchstimmung der Nachwendezeiten.

Txus Parras: Ich habe das neue Gebäude gesehen, das sie da bauen. Davon halte ich nichts. Aber: Die Kunst geht weiter, auch ohne Reiter. Jetzt in der Kulturbotschaft Berlin-Lichtenberg. Denn JETZT IST JETZT, NOW IS NOW. Ich bin froh, dass wir was Neues anfangen, mit der Erfahrung, die wir aus dem alten Tacheles mitnehmen. Und mit Hilfe von Strawalde (= der Künstler Jürgen Böttcher, d. Red.), der schon das alte Tacheles mitgegründet hat. Nicht rumjammern, sondern was für die nächsten Generationen schaffen. Ich hab immer an das Tacheles geglaubt, an eine bessere Welt. Und diese Überzeugung lebe ich mit meiner Kunst. Wir haben so viele neue Projekte: Das Straßentheater-Festival „Berlin lacht“. Unser neues Label mit dem Namen KünstlerKaos. Oder unsere Anti-Mode-Upcycling-Serie.

Lucas Böttcher: Das Tacheles gibt uns jeden Tag Energie ob da nun eine Baugrube oder eine leerstehende, rattenverseuchte Investitionsruine im Berliner Stil steht. Ich habe noch nicht einmal ein Zehntel der Projekte angerichtet, welche ich mir im Tacheles erträumte. Wir leben eh‘ nur, um zu träumen. Aber manchmal ist es nicht einfach, absolute Freiheit auszuhalten und zu genießen, weil sie eben nur ein Traum ist, hihihi.