Porträt

Saoirse Ronan in der Ian-McEwan-Verfilmung „Am Strand“

Nach dem Erfolg mit „Lady Bird“ – inklusive Oscar-Nominierung – spielt die Schauspielerin Saoirse Ronan in der Ian-McEwan-Verfilmung „Am Strand“ erneut auf höchstem Niveau

Ihr Vorname ist für alle Nicht-Iren ein Zungen­brecher. „Sie können ‚Sörscha‘ oder auch ‚Sierscha‘ zu mir sagen“, erklärt ­Saoirse Ronan auf Nachfrage. „Das bedeutet auf Irisch ‚Freiheit‘“, meint sie lächelnd. Die Schauspielerin hat es sich auf dem Sofa eines Londoner Luxushotels bequem gemacht. Mit wachen hellblauen Augen mustert sie neugierig ihr Gegenüber. Im Gespräch ist sie offen und spontan. Und manchmal, wenn sie sich ihre Antwort ­etwas länger überlegt, lässt sie ihren Blick zum Fenster schweifen. Sie spricht mit weicher Stimme – und stets mit diesem schönen irischen Akzent.

Am Strand
Foto: Prokino Filmverleih

Saoirse Ronan wurde am 12. April 1994 in New York City geboren. Als sie drei ­Jahre alt war, zog sie mit ihren Eltern in deren ­Heimat Irland. Als junges Mädchen begleitete sie ihren Vater Paul, selbst Schauspieler, oft zu Dreharbeiten und spielte schon als Neunjährige in der irischen TV-Serie „The Clinic“ mit. Als Teenager hat sie dann „die große Sehnsucht gepackt“, es ernsthaft mit der Schauspielerei zu versuchen. Eine Sehnsucht, die sie bis heute nicht mehr losgelassen hat.

Nach „Lady Bird“ kommt „Sörscha“ ­Ronan nun mit einer Ian-McEwan-Romanverfilmung ins Kino: In dem psychologischen Drama „Am Strand“ spielt sie eine hochsensible, aber sexuell unerfahrene ­junge Frau, der die Hochzeitsnacht zum Verhängnis wird. „Wie wunderbar Ian ­McEwan von Menschen erzählt, die in einem kurzen Moment eine Entscheidung treffen, die ihr ganzes weiteres Leben für immer verändert, das macht ihm so schnell keiner nach. Und es beweist, wie wichtig es ist, immer sehr aufmerksam zu sein – gerade bei Menschen, die uns wichtig sind und die wir lieben.“

Mit ihren 24 Jahren kann Ronan bereits auf eine Anzahl erlesener Filme zurück­blicken, darunter „Abbitte“ (2007), „Brook­lyn“ (2015) und natürlich Greta Gerwigs „Lady Bird“ (2017). Für jeden dieser Filme wurde sie für den Oscar und den Golden Globe nominiert; den Golden Globe als Beste Hauptdarstellerin hat sie mit „Lady Bird“ endlich auch gewonnen. Aber Saoirse Ronan lässt sich von Auszeichnungen nicht blenden: „Natürlich freue ich mich darüber, wenn man mich lobt, aber ich weiß nur zu gut, dass ich noch sehr viel zu lernen habe.“

Die Rolle der intriganten kleinen Schwester Keira Knightleys im Drama ­„Abbitte“ hat der damals 15-Jährigen alle Türen geöffnet. Peter Jackson ­wollte sie danach unbedingt für seinen Missbrauchs-­Thriller „In meinem Himmel“ ­haben, Joe Wright besetzte sie als Killer-Girl im ­Action-Thriller „Wer ist Hanna?“, Neil Jordan als Vampir in „Byzantinum“ – und Wes ­Anderson buchte für sie ein Zimmer im „Grand Budapest Hotel“. Und laut ­Greta Gerwig war es „ein unbeschreibliches Glücksgefühl, als ich mit Saoirse zum ­ersten Mal das Drehbuch zu ‚Lady Bird‘ ­gemeinsam las. Da wusste ich: Ich hatte meine Lady Bird gefunden!“ Allein an der variantenreichen Rollenauswahl wird klar, wie erfrischend eigenwillig Saoirse Ronan ihre Karriere meistert. „Mir haben schon immer Schauspieler imponiert, die Filme aussuchen, zu denen sie passen – oder eben umgekehrt. Denn nur dann hat man im Laufe der Zeit hoffentlich eine Handvoll Filme, die einem auch wirklich etwas bedeuten.“

Ein Rat von Patti Smith

Dass in Punkto Integrität jemand Schützenhilfe geleistet hat, davon erzählt ­Saoirse Ronan mit leuchtenden Augen: „Vor ­einigen Jahren hatte ich das große Glück, Patti Smith zu begegnen. Damals ­spürte ich zum ersten Mal sehr stark, wie die Filmindus­trie versuchte, mein Leben zu infiltrieren. Meine Agenten schlugen mir vor, in einem dieser Blockbuster-Filme mitzumachen, wie ‚The Avengers: Age of ­Ultron‘. Das wollte ich aber auf keinen Fall. Ich fühlte mich sehr eingeengt und war sehr unglücklich darüber. Als ich Patti das erzählte, nahm sie meine Hand und sagte: ,Vergiss nie, dass es immer nur um die Arbeit geht. Du musst vor allem aufpassen, dass du nie etwas machst, hinter dem du nicht voll und ganz stehst. Und wenn das nicht mehr geht, musst du weiterziehen und ­etwas anderes machen. Genau das hatte ich ja tief in meinem Herzen gefühlt. Aber es von ihr zu hören, die schon so lange ­erfolgreich als Künstlerin unterwegs ist – das war etwas ganz Besonderes.“

Mit ihrem nächsten Film hat sich ­Ronan einen Herzenswunsch erfüllt: In „Maria ­Stuart, Königin von Schottland“ spielt sie die Titelrolle – und Margot ­Robbie ihre ­Rivalin Königin Elisabeth. ­„Maria ­Stuart hätte ich wahnsinnig gerne mal zum ­Dinner eingeladen. Sie ist eine so faszinierende, tiefgründige Frau!“, sagt sie. In einer der – gefühlten – 35 Marvel-Comic-Verfilmungen der nächsten Jahre wird man ­Saoirse Ronan also weiterhin vergeblich suchen. Zum Glück.

Am Strand