Film-Installation

Schatten (Eurydike sagt)

Katie Mitchell hat es wieder getan: einen Film live auf der Bühne produziert, bei der man Set und Drehprodukt zugleich sehen kann und sich das Ergebnis selbst im Kopf montiert.

ZITTY-Bewertung: 4/6
ZITTY-Bewertung: 4/6

Auch Elfriede Jelinek hat es wieder getan: einen Text über die Befreiung einer Frau verfasst. Der Nymphe Eurydike (laut Mythos vom Sängergatten Orpheus nach ihrem Tod mit göttlicher Erlaubnis aus dem Hades zurückgeholt) schreibt Jelinek einen depressiv getönten Bewusstwerdungsprozess zu: lieber ein zweidimensionaler Schatten im Totenreich sein als draußen immer im Schatten von Lyra-Star und Womanizer Orpheus stehen. Also lässt sie ihn abblitzen.

Mitchell wirft diesen einen, kleinen, wenngleich auch reizvollen Gedanken Jelineks in ihre gut geölte Live-Film-Maschine. Mit einem weißen VW-Käfer wird zumHades geschippert. Das Totenreich selbst liegt am Boden eines Fahrstuhlschachts, irgendwo bei Stockwerk minus 90.
Die Bilder (kaum mehr als Fahrstuhlwand und ultraminimalistische Tunnel-Licht-Installation) hätte man sich gern opulenter gewünscht. In einen melancholischen Roadmovie-Sog gerät man trotzdem. Viel Aufwand, recht kleines Ergebnis, dennoch aber ein atmosphärisches Erlebnis. TOM MUSTROPH
Jule Böwe in „Schatten: Eurydike sagt“ von Katie Mitchell – Foto: Gianmarco Bresadola
Jule Böwe in „Schatten: Eurydike sagt“ von Katie Mitchell – Foto: Gianmarco Bresadola