In Mini-Afghanistan

Schlafmohnanbau in der Uckermark

In der Uckermark baut eine Adelsfamilie Schlafmohn an. Nicht wegen des Morphingehaltes, sondern als Quelle für ein gesundes und schmackhaftes Öl

Sie können jederzeit unangemeldet auftauchen. Die Mitarbeiter vom Zoll, die für die Bundesopiumstelle prüfen, was Gräfin Hahn von Burgsdorff da gemeinsam mit ihrem Mann auf den Feldern anbaut. Denn mit den Knospen der zierlichen Mohnpflanze lässt sich ein gefährliches Rauschgift produzieren: Heroin.
„Der Anbau von Schlafmohn wird in Deutschland stark reglementiert“, sagt die Gutsbetreiberin. Im Gegensatz zum roten Klatschmohn, der zwar gut aussieht, aber keine wichtige Funktion hat. Nur zwei Sorten Schlafmohn dürfen hierzulande überhaupt in die Erde: Mieszko aus Polen und die neue österreichische Züchtung Zeno Morphex. Ihr Morphingehalt liegt unter dem Grenzwert, was regelmäßig überprüft wird. Bei Mohn verstehen die Behörden wie bei Hanf keinen Spaß.
Dabei ist Mohn eine alte europäische Kulturpflanze. Einige Wissenschaftler sagen sogar, eine der ältesten. Bereits in der Jungsteinzeit, also vor mehr als 8.000 Jahren, nutzten die Menschen in Südeuropa Mohn als Schmerzmittel. Auch bei den Ägyptern fand Papaver somniferum Verwendung – als Droge für kultische Zeremonien.
Der Mohn aus der Uckermark taugt kaum noch für mystische Handlungen, auch wenn er weiterhin einen geringen Morphingehalt aufweist. Auf das Öl haben es die von Burgsdorffs abgesehen. Bis in die 50er-Jahre war Schlafmohn die wichtigste Ölpflanze in Deutschland, fand beispielsweise in Öllampen Verwendung, wurde dann aber verboten. Erst seit 1989 ist der Anbau in der Bundesrepublik wieder erlaubt.

Mohnöl ist daher eine echte Rarität. Das kalt gepresste Öl hat einen hohen Anteil an Vitamin E und ungesättigten Fettsäuren. Der feine Geschmack eignet sich hervorragend für herbere Salatsorten wie Radicchio oder Chicorée.
Da Anbau und Produktion aufwendig sind, ist das Öl recht teuer. Am besten, man probiert es im Hofcafé des Gut Blankensee. Einen Vertrieb nach Berlin gibt es bislang noch nicht. „Die Produktion ist nicht stabil­ genug. Im letzten Jahr vernichtete der lange Winter die Pflanzen“, sagt die Landwirtin. Seit 1994 bauen und basteln die Hahns an einem tragfähigen Modell für das Landgut der Vorfahren. Sie züchten Rinder, halten Hühner, schlachten Gänse und werkeln an einem Heuhotel. Im Hofcafé finden unregelmäßig Veranstaltungen statt. Anfang bis Mitte Juni beginnt die kurze, aber wunderschöne Zeit der Mohnblüte. Nicht nur dann lohnt eine Wanderung. Wer das pinke Blütenmeer sehen will, kann beispielsweise über Feldwege zehn Kilometer von Blankensee nach Herrenstein und wieder zurück spazieren. Dabei einen Mohnstrauß pflücken sollte man aber nicht. Denn selbst wenn die Burgsdorff oder der Zoll den Diebstahl nicht bemerken würden, die zarten Mohnblüten verwelken eh sofort.

Gut Blankensee
17268 Mittenwalde
Blankensee 10
Tel. 0172-942 88 77
www.gut-blankensee.de

Essen: Landgasthof zum grünen Baum

Wer mit dem Auto anreist, sollte einen kleinen Umweg nach Ringenwalde einplanen. Gleich zwei Restaurants stehen dort zur Auswahl. Der Gasthof zur Eisenbahn eroberte bereits die Herzen der Gourmets, aber auch der Landgasthof zum grünen Baum weiß kulinarische Genießer mit frischen Zutaten zu überzeugen.
Exzellente Landhausküche im urgemütlichen Ambiente.

17268 Temmen-Ringenwalde
Dorfstr. 57
039881-440 16
Mo, Mi, Do 12-14.30 Uhr und ab 17 Uhr, Fr-So ab 12 Uhr
www.landgasthofzumgruenenbaum.de

 

Übernachten: Schlosshotel Herrenstein

Das Unternehmen Dinnebier kennt der Berliner eher im Zusammenhang mit dem Verkauf von Autos. Doch der Unternehmer Uwe Dinnebier hat auch Erfahrungen in der Hotelbranche. Seit 2004 betreibt er das Schlosshotel Herrenstein. Neben Haupthaus und Nebengebäuden gehören zu der Anlage ein Badehaus mit Saunabereich, Reitställe und ein Golfplatz. Doppelzimmer sind bereits ab 68 Euro erhältlich. Ein Restaurant ist angeschlossen.

17268 Gerswalde
Herrenstein 6
Tel. 039887-710
www.hotel-schloss-herrenstein.de

Mit dem Fahrrad nach Blankensee

Ein touristisch ausgebauter Radweg führt leider nicht zum Landgut. Aber aufgrund des geringen Autoverkehrs kann auch auf der Straße gefahren werden. Von Templin geht es straßenbegleitend nach Petznick und Mittenwalde. Im Ort auf einer Seitenstraße nach Blankensee abbiegen. Zurück geht es auf einer schmalen Straße nach Gerswalde, Flieth nach Suckow. Ab Suckow auf dem Berlin-Usedom-Weg zum Bahnhof in Warnitz radeln (Länge 37 Kilometer­).
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