Berlinopolis

Schlossplatz

An dieser Stadt haben sich schon viele versucht: Könige und Kaiser, Nazis, Kanzler und Bürgermeister – immer getrieben von der Sehnsucht nach Größe. Trotzdem ist Berlin bis heute nicht fertig. Überall Baustellen, überall neue Areale. Was wird daraus? Ein Blick auf die Hauptstadt der Zukunft, wenn der Größenwahn gesiegt hat

Der Ort
Da kann kommen wer will: Die Prachtstraße Unter den Linden, die Museumsinsel und der Dom gehören zum Besuchs-Kanon eines jeden Touristen. Gleich gegenüber klafft eine Lücke. Das Stadtschloss der Hohenzollern ließ das SED-Regime in der Nachkriegszeit sprengen und später durch den Palast der Republik ersetzen, der vor einigen Jahren ebenfalls beseitigt wurde. Auf dem historischen Grund gedeiht seither eine saftige Hauptstadtwiese, an deren Rand die – gelinde gesagt – umstrittene Humboldt-Box über ein noch umstritteneres Bauprojekt informiert.

Der Plan 
Ab 2012 soll das Stadtschloss als Humboldt-Forum wiederauferstehen. Vor dem Forum wird ein Freiheits- und Einheitsdenkmal schaukeln – eine Schale aus Metall und Glas, die sich von Besuchern in Bewegung setzen lässt. Drei der vier Außenfassaden sowie der Schlüterhof des Schlosses werden originalgetreu rekonstruiert, alles andere soll nach einem Entwurf des italienischen Architekten Francesco Stella gebaut werden. Mit dem Schloss wäre die in die historische Mitte gerissene Lücke wieder geschlossen, der großen Leere im Herzen der Hauptstadt ein Ende bereitet. Es gab und gibt noch weit kühnere Pläne für die historische Mitte. So hat das Berliner Architektenbüro Graft die Vision einer vom Wasser geprägten Innenstadt entworfen: Ein riesiges Wasserbecken würde sich vom Humboldtforum bis zum Fernsehturm erstrecken, umrahmt von Dom, Marienkirche und Rotem Rathaus. Das aber ist nur ein Gedankenspiel.

Der Haken
Eines der Hauptargumente der Schloßgegner: Geld. Mehr als 590 Millionen Euro soll der Neubau kosten. Nicht inbegriffen ist der Bau von Kuppel, Innenportalen und Barockfassaden, der durch Spenden finanziert werden muss. Etwa 15 Millionen Euro wurden schon gesammelt, mehr als 90 Millionen Euro fehlen noch. Verglichen mit dem ideologischen Staub, den die Diskussion um das Stadtschloss aufgewirbelt hat, blieb es um das Freiheits- und Einheitsdenkmal vergleichsweise ruhig. Abseits der Frage, ob die historienschwere Hauptstadt tatsächlich noch ein Denkmal braucht, hat allerdings der Planungsprozess einigen Unmut erregt: Die Einheits-Wippe wurde im zweiten Anlauf hinter verschlossenen Türen beschlossen, ganz ohne öffentlichen Diskurs.

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