Dokumentarfilm

Egal, was kommt

Einmal um die Welt: „Egal, was kommt“

Foto: Busch Media Group

Der große Traum Weltreise – als Motorradfahrer auf dem eigenen Bike. Die Umsetzung scheitert dann zumeist an Banalitäten wie Zeit, Geld, Bedenken oder Beziehungen. Der Journalist Christian Vogel, Jahrgang 1981, setzt sich, nach entsprechender Vorbereitung, im Frühjahr 2015 auf seine BMW GS und brummt los.

Im Gegensatz zu seinen ungenannten Vorbildern Ewan McGregor und Charly Boorman („The Long Way Round“) fährt er von Ost nach West, fängt also in den USA an, bevor es nach Asien geht. 22 Länder in 333 Tagen – und die Kamera ist immer dabei, schließlich fährt heute niemand mehr ohne den Vorsatz los, das zu Erlebende hinterher auch ordentlich dokumentieren zu können. So werden wir in Vogels Reisefilm Zeugen von den Mühen und Plagen des Bikers auf unwegsamen Straßen, sitzen mit neuen Bekanntschaften am Tisch und sehen zu, wie er nach einem Unfall in Indien operiert wird, wochenlang auf Ersatzteile wartet und schließlich weiterbraust.

Aber wie ein ganzes aufregendes Jahr in zwei Stunden Film packen? Notgedrungen rauscht vieles nur schnappschusshaft vorbei, bleiben die Schnipsel von unterwegs oberflächlich und klischeehaft: In den USA gibt’s nach dem Essen Schießunterricht, der Russe bechert Wodka und der freundliche Mongole tischt Yakmilch in der Jurte auf. Zudem wären die vielen Szenen, in denen Vogel sich als geschundener Durchhalter selbst inszeniert, lieber privat geblieben; auch der Versuch, die Reise durch Geldmangel und die Geschichte mit der Freundin zu Hause zu dramatisieren, wirkt überinszeniert. Man erfährt sehr viel über Christian Vogel – sein großes Abenteuer bleibt allerdings schemenhaft. Früher gab es so etwas als bebilderten Reisebericht in der Urania.

Egal, was kommt, D 2018, 121 Min., R: Christian Vogel, D: Christian Vogel plus Familie, Freunde und Reisebekanntschaften, Start: 2.8.,