Performance

Schweigen Impossible

Reden und Verstehen ist zweierlei – auch das zeigt Thikwas neue Performance mit Witz und Verve

Beredt: Choreografie aus Gebärdensprache – Foto: Florian Krauss
ZITTY-Bewertung 6/6

„Ich bin sehr gebildet. Ich kenne Wörter. Ich habe die besten Wörter.“ Meint Trump. Linguisten bescheinigen dem neuen US-­Präsidenten dagegen, er bewege sich sprachlich auf dem Niveau eines Viertklässlers. Genau damit erreicht er aber seine Anhänger, zumal er in seiner vereinfachten Weltsicht unter freizügigem Einsatz der Lüge ständig Ressentiments bedient. ­Diese Kommuni­kation will keine wirkliche Interaktion, ­keinen Widerspruch. Doch nicht nur dazu ist ein „Schweigen Impossible“.

Das neue Thikwá-Stück nimmt sich das Mitteilungsmittel Sprache vor, eben auch aus aktuellem Anlass, der Programmzettel zitiert das totalitäre „Neusprech“ aus ­Orwells „1984“. Thikwa dreht das Thema aber weiter.

Wie kommuniziert man jenseits einer oft missverständlichen Sprache? Mit Tönen, dem Körper, mittels eines Dolmetschers?

André Nittel sitzt im Rollstuhl, sprechen kann er nur durch schwer verständliche Laute. Wie Menschen damit umgehen, geduldig, genervt, bemüht oder desinteressiert, führt das Ensemble aus behinderten und nichtbehinderten Schauspielern zu Beginn in sieben Variationen vor. In einer starken Szene treiben die Spieler später einen wissenschaftlichen Text zur Definition von Sprache durch Übersetzung ins (Schul-)Englische und davon in Gebärdensprache urkomisch in die Groteske.

Kommunikation ist komplex. Schweigen durchaus beredt.

Ein starker Abend einer starken Truppe. FRIEDHELM TEICKE

23.­–25.2., 20 Uhr, Theater Thikwá, Fidicinstr. 40, Kreuzberg. Regie: Martina Couturier; mit André Nittel, Martin Clausen, Louis Edler, Karol Golebiowski, Max Edgar Freitag, Gerd Hartmann,  Gal Naor, Martina Nitz, Christian Wollert. Eintritt 16, erm. 10 €

Ausschnitte SCHWEIGEN IMPOSSIBLE from theater thikwa on Vimeo.