LEBEN UND THEATER

Shakespeare’s Last Play

Spiel um letzte Fragen und Dinge

Verweigerung: Jenny König als Miranda – Foto: Gianmarco Bresadola

Die Welt ist eine Muschel und der Weltenlenker dem Tod geweiht – das ist die Ausgangslage bei der Adaption des fina­len Shakespeare-Werks „Der Sturm“ durch das englisch-irische Theaterduo Bush Moukarzel und Ben Kidd alias Dead Centre. „Shakespeare’s last play“ haben die beiden es folgerichtig genannt – auch als Hinweis, dass es hier um letzte ­Dinge gehen wird.

Der Tod ist gleich doppelt dabei: in Form des dahinmodernden Magiers Pros­pero als letzter Verkörperung Shakespeares sowie als Mord im Stück. Dieser aber wird von den Spielern verweigert. Das ist einer der vielen drolligen Aufstandsmomente des durchweg großartigen Ensembles gegen das Stück – und zugleich Vorgeschmack auf das philosophische Hauptthema des Abends.

Denn eigentlich geht es Dead Centre darum, den Streit darüber zu erzählen, was zuerst war: Die Narration über ein Geschehen oder das Geschehen selbst. Folgen wir im Leben also wie die Figuren aus „Der Sturm“ nur einem Skript? Hat sich dann das, was weiter geschieht, auch streng an selbiges zu halten? Sind die Abweichungen vielleicht gar schon als Varianten eingetragen?

Und was ist mit einem Geschehen, das gar nicht erzählt wird: Wird es ohne Narration, ohne mediale Verbreitung zum Nichtgeschehen? Eingebettet sind diese letzten Fragen am Ende noch in einen kannibalistischen Leichenschmaus von ganz besonderer naturalistischer Güte. TOM MUSTROPH

22.–25.5. 20 Uhr, 26.5. 20.30 Uhr, 27.5. 19 Uhr, Schaubühne am Lehnner Platz, Wilmersdorf. Regie: Dead Centre; mit Mark Waschke, Thomas Bading, Jenny König. Eintritt 7–48 €

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