Berlin

Silbernetz: Telefon gegen Einsamkeit

Die Hotline Silbernetz bietet alten Menschen ein offenes Ohr und zeigt Wege aus der Isolation

Foto: Paul Schärf / Silbernetz

Das Problem Mit alten Menschen möchte niemand etwas zu tun haben. Sie sind schlecht gelaunt, bedürftig, konservativ und wissen alles besser. So die Vorurteile. Auch wenn sich diese nicht zwangsläufig bestätigen, könnte man alten Menschen die zugeschriebenen negativen Attribute nicht verübeln. Denn insbesondere die ältesten Mitglieder der Gesellschaft sind stark von Einsamkeit betroffen. Unbeweglichkeit, Krankheit, versterbende Freunde, Kinderlosigkeit oder Kinder, die in eine andere Stadt ziehen – all das verstärkt das Problem der Isolation. Das in den Medien propagierte Bild von Jugend und ewiger Schönheit spielt der älteren Generation auch nicht wirklich in die Karten.

Die Idee „Einfach mal reden“, lautet der Slogan der von Elke Schilling vor einem Jahr gegründeten Telefonhotline Silbernetz. Zwischen 8 und 22 Uhr können Berliner*innen gebührenfrei mit einem der zwei Mitarbeitenden telefonieren. Das Angebot ist niedrigschwellig und nicht ausschließlich an Menschen in prekären Lebenslagen gerichtet. Alltägliches wie der Kauf der neuen Waschmaschine kann genauso Thema sein wie die Trauer über verstorbene Partner oder Ärger mit Enkeln.

Die Umsetzung Die Anrufenden durchlaufen, wenn sie wollen, ein dreistufiges Programm. Als erstes gilt es ins Gespräch zu kommen. Wer möchte, bekommt dann eine zuverlässige Silbernetzfreundschaft vermittelt, die wöchentlich anruft. Außerdem informieren die Mitarbeiter*innen über Angebote in der Nachbarschaft. Um dies dauerhaft umzusetzen ist die Hotline allerdings auf Spenden angewiesen. MNS

Tel.: 08004 70 80 90, tägl. 8–22 Uhr, silbernetz.org