Bach statt Böller

Silvesterpaddeln in Brandenburg

Treibholz, ein Kanuverleih in der Uckermark, lädt zum Silvesterpaddeln auf dem Küstriner Bach. Ein familientaugliches Unterhaltungsprogramm – wenn man das richtige Kajak wählt.

Einer muss meistens dran glauben. Seit gut zehn Jahren organisiert Marcus Thum Kanutouren zum Jahreswechsel. „Einige überschätzen sich und wollen unbedingt das sportliche Einer-Kajak fahren“, erzählt er, „wenn sie dann eine unüberlegte Bewegung machen, landen sie im Wasser“. Das Bad im eiskalten Nass ist aber nicht lebensgefährlich. Der Küstriner Bach, eine der wildesten Kanustrecken Brandenburgs, hat maximal eine Tiefe von einem Meter. An flachen Stellen bleiben nur wenige Zentimeter unter dem Bug. Grundsätzlich rät der Kanu-Experte, Wechselsachen mitzunehmen. Für den Fall der Fälle.

Ansonsten sei das Paddeln im Winter weit weniger unangenehm, als man glaube. Die stabilen Prion-Kajaks sind breiter – damit man auch mit dicker Kleidung einsteigen kann – lassen sich aber mit Spritzdecken verschließen, anders als ein offener Kanadier. „Wenn Sie die Luke öffnen, steigt regelrecht Dampf auf, so warm wird es im Kajak”, sagt er.

Zwischen 80 und 120 Mutige wagen die zweistündige Fahrt ­jedes Jahr. Freunde oder Familienmitglieder, die nicht ins Boot wollen, können alternativ in eine Kutsche steigen. Auf halber Strecke versammeln sich Kanuten und Kutschfahrer in Fegefeuer. Fegefeuer ist ein Biwakplatz am Küstriner Bach. Dort befand sich einer Legende zufolge ein Straflager der Zisterzienser-Mönche – heute ein romantischer Ort zur Rast. Am ­Lagerfeuer erhalten die Wintersportler Glühwein und eine hausgemachte Erbsensuppe.

Gestärkt geht es anschließend Richtung Oberpfuhlsee. Vermutlich endet wegen der Eisdecke an der Mündung die Fahrt. „In kalten Wintern läuft man weiter über den See“, sagt Marcus Thum.

Die gefrorenen Gewässer sind übrigens für das Naturerlebnis am Küstriner Bach von Vorteil. Dieser friert nämlich wegen seines Gefälles nicht zu, so dass der Eisvogel oder die Wasseramsel nur noch dort ihre Nahrung finden und vermehrt zu sehen sind. Wer den kobaltblauen-rostbraunen Eis­vogel mit seinen spitzen Schnabel beobachtet, sollte sich nicht zu ruckartig bewegen. Nicht, weil das Tier dann flüchtet, sondern weil sich sonst die Kenter-Quote ein weiteres Mal erfüllt.

Treibholz-Kanu, 17279 Lychen, Oberfuhlstr. 3a, Tel. 03988-433 77, Silvesterpaddeln am 31.12., ab 10 Uhr, 25 Euro pro Person inkl. Verpflegung, www.treibholz.com