Drogendrama

Sin and Illy Still Alive

Ungeschöntes Porträt zweier ­heroinabhängiger Frauen

ZITTY-Bewertung: 5/6
ZITTY-Bewertung: 5/6

Maria Hengge verarbeitet als Autorin und Regisseurin ihres Debütlangspielfilms ­Erlebnisse aus den 90er-Jahren. Dämon ­Heroinsucht: Am letzten Tag in der Entzugsklinik flieht Sin. Sie trifft zufällig ihre alte Freundin Illy und wird zusammen mit ihr rückfällig. Als sie die Spritze ansetzt, verstummt alles. Ohrenbetäubende Stille, ­gefolgt von Aufbruchsstimmung und Fernweh. Einen Billigflieger für 59 Euro nach Athen ­nehmen? Das Fehlen der Eltern ist für beide zentrales Thema und Leidensursprung.

Sin And Illy
Sin and Illy Still Alive
Foto: abadon production

Sin ­erinnert nicht nur äußerlich an ­Christiane F. in „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Doch Hengges Intention war das Kreieren eines realitäts­nahen Antagonismus zur klassi­schen ­Referenz von 1981. So stellt sie ­Willensstärke über Hilflosigkeit und schafft, indem sie den kalten Entzug unbeschönigt darstellt, ­etwas extrem Authentisches. ­Anstatt sich zu ­distanzieren, entwickelt man als Zuschauer Empathie für Sin. Denn sie weiß ja, dass sie und auch Illy clean werden können. Die Handkamera fängt blasse Farben und vernebelte Straßen ein.

Immer wieder ­Bilder öffentlicher Etablissements, die den Sprung von Kulisse zur tristen Alltagsrealität von Sin und Illy schaffen. Die bunt aufflackernden, verrauschten Lichter der Stadt ­erinnern ­entfernt an Gaspar Noés „Enter the Void“. Ein eindringliches Independent-Plädoyer für die Abkehr von harten Drogen.

D 2016, 70 Min., R: Maria Hengge, D: Ceci Chuh, Cosima Ciupek, Ulrich Faßnacht

https://www.zitty.de/event/drama/sin-illy-still-alive/

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