URAUFFÜHRUNG

Skelett eines Elefanten in der Wüste

Das Exil-Ensemble des Gorki Theater erzählt vom Leben im Krieg

Im Dunkeln: Lea Draeger als Zirkusartistin – Foto: Ute Langkafel / Maifoto

Zu Beginn stehen die Zuschauer im Dunkeln rings um einen abgeteilten, schwarz verhangenen Kasten. Irgendwann hört man eine männliche Stimme. Was die erzählt ist ebenso finster wie das Setting: „Ich habe den blinden Wunsch zu töten! Meine Freundin war die letzte, die ich tötete.“

Es werden noch weitere, ähnlich erschreckende Berichte vom Töten und mit dem Tod leben folgen. Monologe, die auch illustrieren, wie sich der Bürgerkrieg immer mehr in den Alltag gräbt, dessen Behauptung immer vergeblicher wird.

Das Publikum wurde inzwischen in den Kasten eingelassen, darin je zwei Holzbankreihen, getrennt von einem schmalen Gang, der ebenso wie die Stirnseiten und Trennwände die klaustrophobisch enge Bühne darstellt. Doch szenisch geschieht leider nicht allzu viel, es ist eher eine szenische Lesung aneinandergereihter Monologe auf deutsch und arabisch, die der Autor – der syrische Regisseur Ayham Majid Agha, Leiter des Exil-Ensembles am Gorki – selbst inszeniert hat.

Ein Kriegsfotograf (Mazen Aljubbeh), eine Zirkusartistin (Lea Draeger), ein ­Scharfschütze (Thomas Wodianka) und eine Krankenschwester (Maryam Abu Kahled) sind im wesentlichen die Prota­gonisten, einmal gibt es die eindrucksvolle Filmprojektion eines Flugs über eine zerstörte Wüstenstadt: „Die Stadt gleicht dem Skelett eines Elefanten in der Wüste“. Wie wahr. Wie traurig. Wie hoffnungslos. FRIEDHELM TEICKE

20.+21.10., 20.30 Uhr, Maxim Gorki Theater – Studio Я, Hinter dem Gießhaus 2, Mitte. Regie: Ayham Majid Agha; mit Mazen Aljubbeh, Lea Draeger, Maryam Abu Kahled, Thomas Wodianka. Eintritt 16, erm. 8 €

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