So war es bei Berlin mit Berlinern präsentiert von Mastercard Priceless Berlin

Mit Henning Wehland durch Mitte

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Um Mitte machen viele Berliner mittlerweile eher einen Bogen: zu trubelig, zu touristisch, zu teuer. Wer erwartet hier schon einen urigen Plattenladen, der sich auf Raritäten von den Sixties bis heute spezialisiert hat? Der Berliner Record Store auf der Invalidenstraße ist der Startpunkt unserer Tour mit Henning Wehland im Rahmen unserer Reihe „Berlin mit Berlinern präsentiert von Mastercard Priceless Berlin“. Der Musiker lebt seit 2004 in Berlin und nimmt uns mit auf eine musikalische Tour durch Mitte.

Poster und Plattenhüllen von Künstlern wie Bob Dylan, Tom Waits und Miles Davis bedecken die kompletten Wände des Plattenladens. Auch die beiden Betreiber scheinen aus einer anderen Epoche entsprungen zu sein. Im Hintergrund läuft Musik, natürlich von einem Plattenspieler. Henning Wehland steht zwischen den rund 20 Teilnehmern. Der 47-jährige Musiker zählt zu den ewig Junggebliebenen. Sein Outfit besteht aus einem schwarzem T-Shirt, schwarzer Jeans, schwarzen Sneakern und schwarzer Brille. Wenn auch grau meliert, versprüht der aus Münster stammende Sänger einen jungen Charme. Als Musiker und Songschreiber ist er seit den 90ern unterwegs, war Frontmann der Crossover-Band H-Blockx, die in den 90er Jahren über zwei Millionen Alben verkaufte. 2007 stieg er bei den Söhnen Mannheims ein. Ein Schritt in eine ganz andere musikalische Welt. Für seine Stimme eine große Herausforderung, denn vorher waren eher die lauten Töne angesagt, die auch nicht unbedingt so ganz genau sitzen mussten. Viele seiner ursprünglichen Fans konnten den krassen Genre- und Imagewechsel nicht nachvollziehen. Heute geht Henning Wehland wieder seinen eigenen Weg. Sein 2017 erschienenes Solo-Album „Der Letzte an der Bar“ nimmt Bezug auf seine  Crossover-Wurzeln. Der Bartresen ist für ihn der Inbegriff von menschlichem „Crossover“. Hier kommen per Zufall verschiedene Leute zusammen, die ihre unterschiedlichen Geschichten erzählen. Auf diese Energie und Momente konzentriert sich Henning Wehland hauptsächlich auf seinem aktuellen Album. Für die Produktion seiner Songs hat er in der gesamten Republik Gleichgesinnte gesucht und auch gefunden.

Vom Plattenladen führt Henning uns zum Tonstudio Blackhead Studios, das von Klas-Henrik Lindblad (auch bekannt als Sasse) in der Novalisstraße betrieben wird. Seit 1999 ist der finnische Elektronikproduzent in Berlin ansässig. Henning und Sasse verbindet eine langjährige Freundschaft, auch wenn die beiden in ganz verschiedenen musikalischen Genres zu Hause sind. Im Tonstudio erklärt uns Henning Wehland, wie wichtig das Mastering eines Albums ist. Der endgültige Sound wird dem jeweiligen Medium angepasst, ob Streaming-CD, CD oder Platte. Wie sich die Produktion eines Albums durch die Digitalisierung verändert hat, reflektieren Sasse und Henning. Heute kostet die Produktion eines Albums nur noch ein Bruchteil von dem, was es mal in den 90ern gekostet hat.

Nach einigen unterhaltsamen Geschichten, die Henning stets unterhaltsam zum Besten gibt, ist die Zeit im Tonstudio auch schon vorbei und es geht weiter zum BeachMitte in der Caroline-Michaelis-Straße. Dort erwartet die Gruppe zum Aufwärmen ein heißer Glühwein oder Apfelpunsch. Dazu gibt es eine Butterbrezel zur Stärkung, bevor es beim Eistockschießen noch richtig sportlich wird. In drei Gruppen aufgeteilt, traten die Teilnehmer ehrgeizig gegeneinander an. Auch Henning ließ sich das Eistockschießen nicht entgehen und schleuderte die Stöcke mit Anlauf aufs Eis. Zum geselligen Abschluss der musikalisch-sportlichen Tour geht es in die gemütliche Holzhütte, wo ein Chili con Carne und Erfrischungsgetränke. Henning gesellt sich noch lange zu den Teilnehmern und steht für alle Fragen Rede und Antwort. Und so endet eine musikalisch- sportliche Tour durch Mitte am gemütlichen Karmin. Mitte, Du bist eigentlich gar nicht so übel.

Am 8. März erschien die neue Single „Es brennt noch Licht in der Stadt“ von Henning Wehland und am 12. April tritt er live im Kreuzberger Bu Nuu auf.

Text: Christine A. Lebert
Fotos: Lena Ganssmann