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In der Galerie Sexauer mit dem Maler Alexander Iskin

„Apple Sauce in Paradise“ – Der Maler Alexander Iskin schwört mit seinen jüngsten Arbeiten den sozialen Medien ab. Eine Führung durch die Galerie Sexauer in Weißensee

Jeden Tag ploppen Bilder auf, im Computer, im Smartphone, auf dem Tablet. Unsere Aufmerksamkeit gilt ihnen nur ein paar Sekunden. „Ist das noch unsere Wirklichkeit?“, fragt sich der russischstämmige Künstler Alexander Iskin. Der Apfel – ein Symbol der Verführung: In der Zeit von iPhone, iPad und sonstigen i-Geräten gilt das wohl ganz besonders. Wie gehen wir mit Bildern um, wenn sie in einem Museum hängen oder in einer Galerie präsentiert werden? Wie lange bleiben wir davor stehen, um sie zu betrachten? Alexander Iskins Bilder vertragen durchaus eine längere Betrachtung, nichtsdestotrotz hat er sie für seine inzwischen dritte Solo-Schau in der Galerie Sexauer in Computermonitore und Displays gepackt. „i-Paint“ heißt die Arbeit, die den Besucher gleich zu Anfang begrüßt. Öl auf Leinwand, hinter einen 27 Zoll großen Computerrahmen gepackt.

Bilder

Wie radikal Iskin das Problem des permanenten Inputs angeht, zeigte er in seiner Performance am 21. April. Bei der Vernissage zerstörte er  Computer und  Smartphone, macht quasi „Apfelmus“ aus seinen Gerätschaften. Die Trümmer sind im Zentrum der Ausstellung noch zu sehen. Aus den sozialen Medien hat er sich verabschiedet, von nun an wird er sich auf seine Kunst konzentrieren und den „Interrealismus“ weiterentwickeln, so heißt die von ihm erfundene Kunstrichtung.

So weit müssen wir nicht gehen. Der Künstler zeigt uns einen geschmeidigeren Weg. Gehen wir zurück zum i-Paint. Der Künstler dürfte lange daran gearbeitet haben, das diktiert ihm schon die für Ölmalerei typische Technik. Und was ist dort  dargestellt? Der 27-jährige Iskin, ein Autodidakt und Meese-Schüler, begann seine künstlerische Laufbahn als figürlicher Maler, bevor er sich der Installationskunst, Performance und dem informellen Stil zuwandte. Und immer noch ist es so, dass seine Malerei eine Menge Gesprächsstoff liefert, wenn es darum geht, Szenen und Figuren zu entdecken. Eine Jazzband? Ein Gorilla? Ein männlicher Akt am Swimmingpool? Der Maler lädt den Betrachter ein, inne zu halten, sich auf die Suche zu machen und seine eigene Wirklichkeit in seinen Bildern zu finden. Aber dafür brauchen wir Zeit, und die nehmen wir uns.

Anschließend lud  Galerist Jan-Philip Sexauer zu einem Glas Wein in seinen Salon. Fünf Meter hohe Wände, voll bepackt mit Arbeiten anderer Zeitgenossen, etwa Ornella Fieres Weltraumfotos, Jay Gards Sperrholzreliefs und Caroline Kryzeckis poetischen Kugelschreiber-Arbeiten. Am Ende merken wir: Zwei Stunden nicht aufs Telefon geguckt, Kunst entschleunigt.

Text: Kirsten Niemann

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