Kino

Sommerfest

„Woanders weiß man selbst, wer man ist – hier wissen es die anderen. Das ist Heimat.” heißt es an einer Stelle von „Sommerfest“.

ZITTY-Bewertung: 4/6

Vor 25 Jahren schickte Regisseur Sönke Wortmann in „Kleine Haie“ seine Helden vom Ruhrgebiet auf die Schauspielschule nach München. Was daraus möglicherweise geworden ist, zeigt diese nostalgischen Komödie. Der fluffige Titel klingt fast zu harmlos. In den verhandelten Themen steckt nämlich einiges an Melancholie-Potenzial.

Andre Rohde in Sommerfest
Foto: Tom Trambow_X-Verleih-AG

Stefan (Lucas Gregorowicz) lebt nun als Schauspieler in München. Nach dem Tod seines Vaters kehrt er nach Bochum zurück, um ihn unter die Erde zu bringen. Das soll bitte schnell über die Bühne gehen, zuhause wartet ein Casting. Und seine alte Heimat mag Stefan immer noch nicht.

“Die geistige Enge, das Spießertum, das ewige Gelaber von Arbeit und Fußball, die niedrigen Häuser und der ganze Dreck”. Die Hassliebe zur eigenen Herkunft zieht sich wie ein roter Faden durch den Film. Dabei wird das Spezielle des Ruhrpotts, aus dem auch Wortmann stammt, arg platt in Szene gesetzt. Die Charaktere werden zu Abziehbildern – obwohl Frank Goosen, dessen gleichnamiger Roman als Vorlage diente, auf die Region zwar durchaus auch mit Humor blickt, aber eben nuancenreicher.

Abgesehen von mancher Übertreibung ist „Sommerfest“ durchaus stimmig und subtil inszeniert. Etwa, wenn es um die Projektionen der alten Freunde auf Stefans Beruf angeht. Mit dem läuft es in Wirklichkeit alles andere als toll. Auch in Sachen Romantik wird nicht zu dick aufgetragen. Natürlich gibt es eine Liebesgeschichte, die aus der Vergangenheit in die Gegenwart ragt. Doch bis er seine Jugendliebe Charlie (Anna Bederke) trifft, ist der Film fast vorüber. Und auch in dem Punkt kommt manches anders, als man denkt. Ein netter Blick auf die Lebensmitte.

D 2017, 92 Min, R: Sönke Wortmann, R: Lucas Gregorowicz, Anna Bederke, Nicholas Bodeux, Start: 29. Juni