Datschendrama

Sommerhäuser

Wie baut man die effizientesten Wespenfallen?
Foto: Prokino Filmverleih

Die Sommerhäuser sind durch einen prächtigen Gemeinschaftsgarten miteinander verbunden. Oberhaupt des Gartens war Oma Sophie. Mit ihrem Tod fuhr ein Blitz in einen Baum und spaltete ihn. Ein zorniger Einbruch, der auch für das Zusammenleben der Sommerhaus-Bewohner gilt, denn nun etablieren sich hier neue Hierarchien. Soll man verkaufen oder behalten? Und wer hat darüber überhaupt zu entscheiden? Es gibt neue Grenzen und Linien, sie verlaufen subtil und sind nur mittels Verhaltensweisen, Stänkereien und Gram einzusehen. Aber nicht nur der Garten hat an Unschuld eingebüßt: Draußen ist ein Kindermörder unterwegs. Ein Mädchen wurde entführt und getötet – bisher gibt es keine Spur.

Bei Sonja Maria Kröners Debütfilm „Sommerhäuser“ sind all diese Ströme präsent, obwohl sie unterschwellig bleiben; Unangenehmes schwelt, aber es ist gut zugedeckt von einer scheinbaren Idylle. 1976 ist das Jahr des Jahrhundertsommers und außerdem das Jahr, in dem es etwas außerhalb Münchens zu Dramen kommt, die nur ­interessant sind, wenn man ihnen beiwohnt. Und das ist hier der Fall, denn Kröner erzählt, ohne auszusprechen: Sie zeigt. Die Regisseurin besitzt Gefühl für Situatives und Details, und sie folgt den Sommerhäuslern, jungen und alten, auf ihren ­Wegen, nimmt sich mal den Unternehmungen der Mädchen an (die unter Tischen sitzen und die Erwachsenen belauschen), dann beobach­tet sie den mehrdeutigen Briefwechsel zwischen zwei älteren Damen. Gitti ­(Mavie Hörbiger) darf nicht ins Baumhaus und ­beschimpft Evas (Laura Tonke) Kinder ­dafür als „Arschgeigen“.

Es sind mitunter herzzerreißende Szenen, in gelbstichigen Bildern lakonisch vorgetragen. Auf den Tisch kommen Frankfurter Kränze und vieles mehr: Man lässt es sich gut gehen. Alles ist so schön. Wäre da nicht der Konflikt um den Garten, die Angst vor dem Mörder. Und: die Wespen. An ihnen agieren sich hier nämlich alle aus. Die Kinder führen eine Liste, wer die meisten von töten konnte. Es werden Fallen drapiert und mit Haarspray Flammenwerfer erzeugt. Kannibalismus und Buttercreme, das liegt hier alles ganz dicht beieinander und geht völlig unproblematisch in einem Zustand auf: Normalität.

D 2016, 96 Min., R: Sonja Maria Kröner, D: Laura Tonke, Thomas Loibl, Mavie Hörbiger

https://www.zitty.de/event/drama/sommerhaeuser/