One-Woman-Show

Sophie Rois fährt gegen die Wand im Deutschen Theater

In ihrer Robinsonade singt die wunderbare Sophie Rois ein Loblied auf die Einsamkeit

Sophie Rois erklimmt einen Erdbeertraum – Foto: Arno Declair

Es ist – nach „Have a Cup of Tea mit Sophie Rois“ mit Ian-Mc­Ewan-Storys und The-King-Songs – der zweite Abend am DT, in dem die Schauspielerin sich schon im Titel selbst ankündigt. Und wieder scheint es sich eher um eine szenische Lesung zu handeln, wenn Rois es sich zunächst auf einer kleinen Couch gemütlich macht, eine Zigarette anzündet, sich Tee eingießt, das Buch vom Bistrotischchen nimmt und den Klappentext vorliest. In Marlen Haushofers Roman „Die Wand“ ist die in einer Berghütte urlaubende Protagonistin plötzlich allein mit ein paar Haustieren hinter einer rätselhaften Wand gefangen, außerhalb scheint alles tot zu sein.

In Rois‘ nonchalanter Darstellung in der Inszenierung von Clemens Maria Schönborn scheint dieser Zustand totaler Isolation eher Genuss als Schrecken. Eine ewige Auszeit, wenn man erst mal alles Nötige zum Überleben geregelt hat: Kartoffeln anpflanzen, Feuerholz sammeln, die Kuh fachgerecht melken, solche Dinge eben.

Ansonsten bleibt viel Zeit zum Tagträumen, kurz werden die Möglichkeit und Vorteile der Anwesenheit eines Mannes durchgespielt und als Untauglich verworfen. „Ja, ja, ja, nee, nee, nee“, ewige Muße, niemandem mehr rechenschaftspflichtig zu sein, „alle, denen zuliebe ich mein Leben lang gelogen habe, sind tot“. Irgendwann schwebt ein riesiges Stück Erdbeertorte auf die Drehbühne, es wird zur Jagdhütte, zum Gebirge, zur Fruchtoase. Einsamkeit als Sehnsuchtsort.

„Joa, wie fühlst di dabei?“, fragt Rois gegen Ende des 70-minütigen Abends rhetorisch mit Wolfgang Ambros Austrorock-Version von Dylans „Like a Rolling Stone“. Joa mei, das geht sich scho aus. FRIEDHELM TEICKE

26.2., 19,30 Uhr, 18.3., 20 Uhr, Deutsches Theater, Schumannstr. 13a, Mitte. Regie: Clemens Maria Schönborn; mit Sophie Rois. Eintritt 5–42, erm. 9 €