Kino

Sorry Angel

Die Geschichte einer Liebe, der nur Wochen bleiben

Die Lieblingsfarbe dieses Films ist blau – kein Zufall, sondern wohl Anspielung: auf „Blue“, den letzten Film des großen schwulen Filmemachers Derek Jarman,
der 1993 an Aids starb. 1993 setzt auch die Handlung von „Sorry Angel“ ein, und sie wird auch in jenem Sommer enden, denn Jacques, Mitte 30, leidet an Aids, im späten Stadium. Dies ist allen klar, auch dem jungen Arthur, der gerade Abi gemacht hat, für Bücher schwärmt und Filmemacher werden will. Arthur und Jacques treffen einander, wie es sich für einen guten Liebesfilm gehört, erstmals im Kino. Es funkt sofort, doch funktioniert es auch?
Für Arthur, der aus der Provinz zu Jacques nach Paris will, fängt das selbstbestimmte schwule Leben an; für Jacques neigt es sich dem Ende, das Leben, zu dem auch ein leiblicher Sohn gehört.

(c) Salzgeber & Co. Medien GmbH
Pierre Deladonchamps (li.) & Vincent Lacoste
Autor und Regisseur Christophe Honoré zeigt in diesem Drama (das im Wettbewerb von Cannes lief), langsam und mit Fein gefühl die Disbalance zweier Liebender. Er erzählt auch über eine vergangene Zeit, als dem HI­-Virus mit Medizin noch nicht beizukommen war und nahezu ganze Jahrgänge schwuler Männer dem Leben entrissen wurden, verfemt von ihren Familien. Das Blau dieses Films ist einzart grünliches; mit der Farbe der Hoffnung darin. Hoffnung nämlich, der blindesten Art, ist ein hartnäckiges Nebenprodukt des Verliebtseins.
„Plaire, aimer et courir vite“, F 2018, 132 Min., R: Christophe Honoré, D: Vincent Lacoste,