Kino

Sorry We Missed You

Unmittelbar bevor er sich auf seine erste Tour als Kurierfahrer begibt, bekommt Ricky von einem Kollegen eine leere Plastikflasche in die Hand gedrückt. Die werde er brauchen, denn Pinkelpausen seien nicht drin bei dem engen Zeitplan. Und schon wird deutlich, dass Rickys Traum, sein eigener Boss zu sein, nicht so leicht werden wird. Der Familienvater träumt von der Selbstständigkeit als einer Tätigkeit, bei der einem nicht andauernd jemand im Nacken sitzt. Zugegeben: Als Fahrer, der Pakete und Päckchen ausliefert, ist er selbstständig. Doch die negativen Seiten bekommt Ricky schnell zu spüren: vom engen Zeitfenster, in dem er die Ware zustellen muss, bis hin zu den Strafzahlungen, wenn er sein Pensum nicht schafft. Als er eines Tages ausgeraubt wird, soll er sogar noch 1.000 Pfund für den zerstörten Paketscanner bezahlen.

Foto: Joss Barratt

Stand in „Ich, Daniel Blake” das Aufbegehren eines Einzelnen gegen absurde staatliche Zwangsmechanismen im Mittelpunkt, so ist es im neuen Film des unermüdlichen Ken Loach (er wird bald 84 Jahre alt) eine vierköpfige Familie, deren Zusammenhalt unterm neuen Job des Ehemannes und Vaters zu zerbrechen droht. Das Drehbuch von Loachs Stammautor Paul Laverty bringt die wechselseitigen Abhängigkeiten auf den Punkt, den Schauspielern ringt Loach einmal mehr eindringliche Darstellungen ab. Beklemmend.

GB/F/B 2019, 100 Min., R: Ken Loach, D: Kris Hitchen, Debbie Honeywood, Rhys Stone, Katie Proctor, Start: 30.1.

Kinotermine: