Projekträume

Spektrum Berlin klickselt an Kreuzköllns Zukunft

Am richtigen Ort: Ein Off-Space nahe Maybachufer bietet Platz für digitale, akustische, optische und sogar olfaktorische Experimente

Fast täglich Kunst, Technik, Film: Alfredo Ciannameo leitet gemeinsam mit Lieke Ploeger das Spektrum Berlin. Foto: Lena Gannsmann
Fast täglich Kunst, Technik, Film: Alfredo Ciannameo leitet gemeinsam mit Lieke Ploeger das Spektrum Berlin. Foto: Lena Gannsmann

Trotz der umfangreichen Kunst­pro­duk­tion in Berlin ist die Anzahl fester Orte, die Kunst und Technik zusammenbringen, überschaubar. Umso stärker fällt Spektrum auf. Der neue Medienraum in Neukölln, der Mitte 2015 eröffnet hat, dient als Bühne für bildende, performative und audiovisuelle Künste sowie wissenschaftliche Ansätze. Fast täglich finden hier Konzerte, Filmvorführungen, Performances und Ausstellungen und auch ein Benefiz-Verkauf wie der „Geek-Market“ statt.

Alles Labs

Die Initiatoren sind Lieke Ploeger und Alfredo Ciannameo (Foto). Ihre Suche nach ­einem Veranstaltungsort endete in einer leer stehenden Bäckerei in der Bürknerstrasse zwischen Maybachufer und Hermannplatz. Der bauliche Zustand sei schlimm gewesen, erinnern sie sich. Doch die zentrale Lage und das funktionelle Hinterzimmer mit hohen Decken haben sich rasch als der richtige Ort für Medienkünste erwiesen. Mit Ploegers Erfahrung als Projektmanagerin und Ciannameos als Künstler hat sich Spektrum schnell als neues kreatives Labor etabliert. Wobei sich das optisch nicht sofort bemerkbar macht.

Spektrum wirkt wie eine Mischung aus gemütlicher Bar und entspanntem Arbeitsraum. Ploeger und Ciannameo verstehen Spektrum als einen „Open Space“, der Menschen mit unterschiedlichem Fachwissen zum Mitmachen auffordern soll. Zum Pub­likum zählen Netzaktivisten, Künstler, Archi­tekten, Wissenschaftler und Zufallsbesucher. Zugänglichkeit ist hier das oberste Gesetz. Das unterscheidet Spektrum von eher konventionellen Ausstellungsräumen für ähnliche Themen wie Art Laboratory in Wedding und dem Projektraum der Schering Stiftung in Mitte.

Bei Spektrum spielen „Communities“ eine große Rolle: Menschen finden sich über Netzwerke zusammen, treffen sich monatlich,  diskutieren und arbeiten gemeinsam. So forscht ein „Smell Lab“ über die Bedeutung des Geruchssinns für verschiedene Disziplinen. „MovLab“ arbeitet an der Digi­talisierung des menschlichen Körpers. Bei „Live Cinema Lab“ kommen Künstler aus den Richtungen Klang und Bild zusammen. Während der Auftakttage des Medienkulturenfestivals „Transmediale“ und seinem Partner CTM werden diese Communities zwischen 16. Januar und 7. Februar im Spektrum viele Veranstaltungen stattfinden lassen. Am 23. und 24. Januar wird ­dort zudem das niederländische Medienkunstfestival ­„Fiber“ Arbeiten aus der Sammlung der Plattform „Lima“ zeigen. Am 25. Januar stellen Studierende der Lehrveranstaltung „Sound, Art and Technology-poiesis‟ der Universität der Künste aus und feiern eine Party, auf der digitale Verschlüsselungstechniken unterrichtet werden.
Das nächste große Projekt soll „Maker Space“  sein, in dem Interessierte mit 3D-Druckern, Laser Cutting und anderen Werkzeugen arbeiten. Falls ein Crowdfunding genug Geld bringt, wollen Lieke Ploeger und Alfredo Ciannameo das Prinzip Mitmachen dann  auf ein höheres Level heben.

Spektrum, Bürknerstr. 12, Neukölln, nahezu tägl.  ab 20 Uhr, http://www.spektrumberlin.de