Dokumentarfilm

SPK Komplex

Frustriert von seiner Arbeit in der stationären Psychiatrie gründete der Arzt Wolfgang Huber Anfang 1970 in der Heidelberger Uniklinik das Sozialistische Patientenkollektiv.

spk komplex
SPK Komplex
Foto: Rudi Mährländer

Er betrachtete die kapitalistische Gesellschaft selbst als Krankheit und Störung, die erst die Symptome der depressiven, zwanghaften oder psychotischen Patienten hervorbrachte. Ab März 1970 lebte man in einer utopisch anmutenden WG in Heidelberg: Bis zu 500 Mitglieder – Patienten, Psychiatrieerfahrene und Therapeuten –suchten hier einen neuen Gesellschaftsentwurf.

Der Filmemacher Gerd Kroske zieht den Zuschauer mühelos in die spannende Geschichte des SPK und rekonstruiert, wie sich das SPK radikalisierte, bis es schließlich mit aller Staatsmacht als RAF-nahe „kriminelle Vereinigung“ zerschlagen wurde. 1972 wurden Wolfgang Huber und seine Frau Ursel zu Haftstrafen verurteilt, erst 1976 nach einem Hungerstreik aus der Einzelhaft in Stammheim entlassen.

Kroskes intime Recherche (zuletzt erprobt in „Striche ziehen“) hat nicht nur Akteure des SPK vor die Kamera geholt, sondern auch ihre Polizei-Gegenspieler. Immer geht es auch darum, wie man von heute aus auf das Gestern blickt und umgekehrt. Huber selbst ist nur als Stimme vom Band in einer historischen Aufnahme zu hören. In Deutschland sei er nicht aufzufinden gewesen, sagt Kroske. Der Revolutionär verweigert sich seit seiner Haftentlassung den deutschen Medien.

D 2018, 111 Min., R: Gerd Kroske

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