Indie-Rock

Spoon

Die Texaner wollen keine Rockstars sein, sind aber so großartig, dass sie bald welche werden sollten. Die vor mehr als 20 Jahren in Texas gegründete Band Spoon ist ein eigenartiges Phänomen: Als Kritikerliebling bekommt sie kontinuierlich Bestnoten, doch der große Ruhm ist ausgeblieben. Was vielleicht auch daran liegt, dass die fünf Musiker gar keine Rockstars sein wollen, wie Frontmann Britt Daniel unlängst in einem Interview bekannt gab.

Öffentlichkeitswirksame Skandale und Exzesse sind ihnen ebenso fremd wie kalkuliert eingängige Pophymnen. Spoon, die sich einst nach einem Song der deutschen Krautrocker Can benannten, ist der lebende Beweis dafür, dass sich Rockmusik nicht in Phrasen erschöpfen muss, dass sie experimentell und raffiniert arrangiert sein kann, ohne ihre Zugänglichkeit einzubüßen.

Ihr neuntes Album „Hot Thoughts“ ist wieder ein so vielseitiges Wunderwerk, dass sich die Fachpresse mal an die späten Beatles, mal an Kiss, mal an Radiohead, mal an Arcade Fire erinnert fühlt und einen bunten Blumenstrauß an Einordnungen anbietet: Post-Punk, psychedelischer Indie-Rock, eine reduzierte Spielart des Funk, Disco-Vibrationen – und muss man den letzten Track „Us“ mit seinen schwelgerischen Saxofon- und Xylofon-Klängen nicht dem Jazz zurechnen? Wer meint, es müsse einem schwindlig werden in einem solchen Karussell der Stile, der täuscht sich. „Hot Thoughts“ ist ein unangestrengtes und unprätentiöses Album aus einem Guss.