Margot Honecker rettet die Rebellion

Star Wars Episode VIII

Okay, fangen wir an.
Luke, Leia, C-3PO, R2-D2, alle noch lebenden Hauptpersonen da? Check!
Rey, Finn, Poe, BB-8 und die ganze neue Bagage? Check!
Kleine Szenen für die ganzen Fanlieblinge wie Meister Yoda und Maz Kanata? Check!
Eine Szene in einer rappelvollen Kneipe voller Aliens? Check!
Weltraumschlachten? Aber sowas von Check!
Der Falke fliegt durch einen Asteroidenschwarm, wahlweise durch eine Höhle voller Hindernisse? Check! Und Chewbacca brüllt dazu!

Eigentlich müsste die neue „Star Wars“-Episode „Die letzten Jedi“ also ein riesengroßer, rummelbunter Spaß sein. Dass trotzdem ein leicht schaler Beigeschmack bleibt, liegt an den Besitzern der Lizenzen, dem Disney-Konzern. Das Haus der Maus ist schließlich bekannt dafür, dass es gnadenlos jede Kante abschleift, jede Falte ausbügelt. Und genau das ist auch dem neuen Regisseur/Autoren Rian Johnson passiert.

Foto: 2015 Lucasfilm Ltd. & TM

Johnson ist eigentlich eine coole Socke, einer der vielversprechendsten Jungregisseure der USA, hat mit „Brick“ und „Looper“ zwei unfassbar gute Filme inszeniert und an den TV-Serien „Terriers“ (ziemlich unterschätzt) und „Breaking Bad (leicht überschätzt) mitgearbeitet. „Star Wars“ ist also so etwas wie ein Ritterschlag für den 45jährigen, zumal er der Erste seit „Star Wars“-Schöpfer George Lucas ist, der einen alleinigen Autoren-Credit bekommt. Aber Johnson hat für diesen Film wenig Eigenes beigetragen, er hat sich sowohl als Autor, wie auch als Regisseur ganz in den Dienst des Konzerns gestellt.

Wenn es denn etwas Identifizierbares gibt, dann ist es der Ton des neuen Films: Der ist nämlich durchaus düsterer, erwachsener geworden. Und: Ja, Mark Hamill hat diesmal eine deutlich größere Rolle als in „Episode VII“, aaaaber – wie sagt man’s, ohne zuviel von der Handlung zu verraten? – das ist nicht der Luke Skywalker unserer Jugend. Er hat versagt und suhlt sich jetzt in einsamem Selbstmitleid auf einer Insel des Planeten Ahch-To, hat als Gefährten lediglich ein paar bunte Pinguine und schildkrötenhafte Ureinwohner. Der Grund seines Ungemachs: Neffe Kylo Ren, schlauchbootlippiger Hilfsbösewicht im Dienst des Obersten Anführers Snoke (der von Andy „Gollum“ Serkis im goldenen Bademantel mit hughhefnerartiger Schleimigkeit gespielt wird).

Während Luke also versucht, den Besuch Rey raus zu komplimentieren, werden seine Schwester Leia und ihre Widerstandsgruppe quer durchs All gescheucht. Finn und seine neue Freundin Rose (für den asiatischen Filmmarkt: Kelly Marie Tran) suchen Hilfe in Form des Hackers DJ, den Benicio del Toro irgendwo zwischen Dylan und Dostojewski anlegt. Und dann gibt es da noch Laura Dern als Vizeadmiralin Amilyn Holdo, die nicht nur Margot Honeckers alte Haarfarbe aufträgt, sondern extrem wichtig für die Flucht der Rebellen wird.

Sie sind verwirrt von der Vielzahl der Namen und Charaktere? Das ist das Problem jedes Franchisesystems, das aus Filmen, TV-Serien, Romanen, Spielen und Comics besteht: Irgendwann ist es so hermetisch, dass nur noch Insider durchblicken. Wer mit „Die letzten Jedi“ zum ersten Mal in einem „Star Wars“-Film ist, dem werden die Figuren herzlich egal sein. Und bleiben. Und auch wenn Rian Johnson sehr viel weniger Fanservice als sein Regie-Vorgänger (und Nachfolger) J.J. Abrams betreibt – einen „Star Wars“-Film wie früher, voller Charme und Schmackes und mit ganz viel Nimmdiesschurke hat er auch nicht hingelegt.

USA 2017, 152 min, R: Rian Johnson, D: Mark Hamill, Daisy Ridley, John Boyega, Oscar Isaac, Carrie Fisher

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