URAUFFÜHRUNG

status quo

Verkehrte Welt: Maja Zade hat ein Stück geschrieben, in denen Männer zum Objekt der Begierde werden.

Sexobjekt: Jule Böwe, Moritz Gottwald, Jenny König – Foto: Arno Declair

Florian, ein hübscher, etwas schüchterner junger Mann, wird beim Bewerbungsgespräch für ein Maklerbüro von drei toughen Anzugfrauen mit Fragen nach seinem Privatleben verunsichert. Abends heult er sich bei seiner Frau aus, die breitbeinig in Adiletten auf dem Sofa sitzt und sagt: „Schatz, komm doch mal her.“

Florian ist aber auch der Lehrling in der Drogerie, an dem die prollige, ältere Chefin die neue Bodylotion ausprobieren möchte. Und der junge Eleve am Theater, der um die Gunst der cholerischen Regisseurin buhlt und dabei die sexuellen Reize seines häufig halbnackten Körpers ehrgeizig ins Spiel bringt. Dreimal Florian, von den Frauen konsequent auf Flo verkürzt, dreimal sexuelle Diskriminierung – nur umgedreht. Nee, so einfach ist das nicht, oder?

Das Prinzip ist schnell klar und könnte in seiner Ausschließlichkeit und Begrenztheit auch nerven, wären da nicht die exzellenten Darsteller*innen. Jule Böwe spielt so, als hätte sie ein Schauspielerinnenleben darauf gewartet, endlich diese hässlichen, alten, ordinären Männer, die hier Frauen sind, verkörpern zu dürfen. Moritz Gottwald gibt feminine Empfindlichkeiten fast ohne jede Überzeichnung und singt auch noch göttlich – eine echte Diva. Und am Ende beschleicht frau die böse Ahnung: Was, wenn es doch so einfach wäre? REGINE BRUCKMANN

7.–9.2., 11.2., 20 Uhr, Schaubühne am Lehniner Platz, Wilmersdorf. Regie: Marius von Mayenburg; mit Jule Böwe, Marie Burchard, Moritz Gottwald, Jenny König, Lukas Turtur. Eintritt 7–41 € (nur noch Restkarten an der AK)