Berlins aufregendste junge Schauspieler

Stefan Stern

Ein entscheidendes Erlebnis für Stefan Sterns Berufswahl war die Erklärung der Mutter beim Hören der Platten zu Humperdincks „Hänsel und Gretel“: Die Hexe sei keine wirkliche Hexe, sondern ein Tenor, der die böse Frau als Rolle singt. Das Weihnachtsritual eröffnete dem Sohn eine ungeahnte Welt – und ein Berufswunsch war geboren.

Sein gradliniger Weg führte zur Ausbildung an der Ernst-Busch-Schule und 2007 ins Ensemble der Schaubühne, wo er in vielen Inszenierungen von Intendant Thomas Ostermeier spielt, zuletzt den zwischen Anpassung und klarem Eintreten für die Wahrheit zerrissenen Dr. Stockmann in Ibsens „Volksfeind“. Gekoppelt mit dem Text des Manifests „Der kommende Aufstand“ holt Stern die Rolle ganz in die ­Gegenwart und zeigt die Ambivalenz, in der wir alle täglich stecken. Stern ist in den Genre-Crossover-Projekten von Falk Richter und Anouk van Dijk als Schauspieler und Tänzer gleichermaßen auf der Bühne.

Er spielt immer mit vollem physischen Einsatz, ob in den Wasserschlachten von ­Ostermeiers „Maß für Maß“ oder den schwulen Sex- und Gewaltorgien in ­„Edward II“. Die Inszenierung von Ivo van Hove war umstritten, für Stefan Sterns durchlässiges, nervös flirrendes Spiel hätte man sich einen anderen Rahmen gewünscht. Immerhin: Für die gemeinsame Kussszene findet Kollege Christoph ­Gawenda jedenfalls nur lobende Worte. Susanne Stern (nicht verwandt oder verschwägert)

Alter: 31
Theater: Schaubühne
Paraderolle: Der um die Wahrheit ringende Dr. Stockmann in „Ein Volksfeind“ (Regie: Thomas Ostermeier)
Auch bekannt durch: „Im Alter von Ellen“ von Pia Marais (Kino)
Demnächst zu sehen: in „Ein Volksfeind“, 19.+20.9., 20 Uhr, Schaubühne