Fotografie

Wir haben uns viel nach Amerika orientiert

Das Fotohaus C/O Berlin zeigt mit Aufnahmen von Torbjørn Rødland und Joel Meyerowitz erneut Fotografie aus den USA. Warum eigentlich, fragte ZITTY C/O -Leiter Stephan Erfurt

Vor drei Jahren ist das Fotohaus C/O Berlin von Mitte in das Amerika Haus am Zoo gezogen. Im ersten Jahr dort hat die gemeinnützige Stiftung, die sich unter anderem über das Eintrittsgeld finanziert, nach eigenen Angaben rund 250.000 Besucher gezählt. Das Konzept scheint aufzugehen: Werke bekannter, oft US-amerikanischer Fotografen aus Kunst und Presse wie Peter Lindbergh und Nan Goldin werden hier Aufnahmen jüngerer Fotografen gegenübergestellt. Mitbegründer Stephan Erfurt baute sich als Fotojournalist bis 1999 ein internationales Netzwerk auf. Er bestimmt das Programm maßgeblich mit.

Stephan Erfurt, Director of C/O Berlin. Foto: David von Becker
Stephan Erfurt, Direktor von C/O Berlin. Foto: David von Becker

Herr Erfurt, Ihr Haus ist geprägt von ame­­ri­kanischen Fotografen, von denen viele die Bürgerrechtsbewegung dokumentierten. Warum?
Wir arbeiten immer an unserem Programm. Mit unseren Ausstellungen wollen wir unterschiedliche Perspektiven aufzeigen, möglichst viele Menschen ansprechen und sie für Fotografie begeistern. Wir wissen, dass wir uns viel nach Amerika orientiert haben, besonders zu Beginn. Das liegt gerade an den wichtigsten Entwicklungen innerhalb der Kunst- und Foto­grafiegeschichte, die in den USA stattgefunden haben. Davon sind einige schon älter, die wir noch nach Berlin holen möchten, wie soeben Danny Lyon oder ab dem 9. Dezember Joel Meyerowitz. Manchmal hat so eine Abfolge aber auch damit zu tun, dass wir Partnerschaften mit internationalen Museen eingehen, denn Transporte über den Ozean können wir uns allein nicht leisten.

Also verfolgen Sie keinen speziellen ­Fokus?
Nein, das Programm sollte vielfältig sein. Wir bewegen uns in einem Netzwerk internationaler Kuratoren und Institutionen. Und wir haben neben vielen Berlinern auch immer andere Nationalitäten gezeigt. Die Frage ist doch, ob in einer globalisierten Gesellschaft nationale Zuschreibungen noch greifen. Es geht doch immer um Qualität.

Was brachte Sie zu der neuen Ausstellung über Joel Meyerowitz?
Das war ein großer Wunsch von mir. Er ist einer der ganz großen, herausragenden Fotografen des 20. Jahrhunderts – ein Pionier der Farbfotografie. Uns verbindet aber auch ein persönliches Erlebnis: Als ich 1984 fünf Jahre für die „FAZ nach New York ging, fotografierte ich eine Geschichte über amerikanische Restaurants. Die Bilder sollten in Farbe entstehen und ich hatte keine Ahnung wie ich das anstellen sollte. Ich kannte die Arbeiten von Joel Meyerowitz und habe ihn kurzerhand angerufen. Am Telefon war er nicht nur wirklich nett, sondern hat mir einen Tipp für ein Restaurant gegeben. Es war meine erste Geschichte im „FAZ“-Magazin.

Sie haben den Kontakt also über die vielen Jahre aufrecht erhalten?
Ja, vor der Eröffnung von C/O Berlin im Amerika Haus 2014 ging Joel Meyerowitz mit mir über die Baustelle und wir verabredeten eine Ausstellung. Ich freue mich besonders, dass wir seine seltenen Vintage-Prints zeigen können, die einen gewisse Magie haben.

Torbjørn Rødlands Ausstellung eröffnet am selben Tag. Er kommt aus Norwegen, hält sich aber derzeit in Los Angeles auf. Warum diese Gegenüberstellung?
Rødland ist neben Meyerowitz ein Meister der Farbfotografie und eine besonders spannende, junge Erweiterung und neue Sichtweise im Feld der Fotografie. Thematisch geht Rødland aber ganz anders an das Medium heran. Er reflektiert die Grenzen von Fotografie und erweitert es ins bewegte Bild durch Videoarbeiten. Durch seine Foto­grafien wird man auf seine eigene Fantasie zurückgeworfen und man ist aufgefordert, das Bild für sich zu vervollständigen.

Bis 11.3.2018: C/O Berlin, Hardenbergstr. 22–24, Charlottenburg, Mo–So 11–20 Uhr, 10/ erm. 6 €, bis 18 J. frei