Ein Stern, der deinen Namen trägt...

Berlins neue Sterneköche

Sterne und Banausen
Sechs neue Sterne hat der Guide Michelin an ­Berliner Restaurants vergeben. Zu schätzen ­wissen so viel Qualität und Kreativität leider vor allem Expats und Touristen. Der Berliner knausert
Text: Felix Denk

Koch und Chef: Sebastian Franks Restaurant Horvath wurde mit dem zweiten Stern ausgezeichnet Foto: Lena Ganssmann

Koch und Chef: Sebastian Franks Restaurant Horvath wurde mit dem zweiten Stern ausgezeichnet Foto: Lena Ganssmann

Für eine Überraschung ist der ­Guide Michelin eigentlich immer gut. Auch in diesem Jahr. Zum 50. Mal wurden in Deutschland Sterne verteilt, und in Berlin haben gleich fünf neue Restaurants die Auszeichnung erhalten. Eines, das ­Horvath, wurde sogar auf zwei Sterne hochgestuft – damit hat nun wirklich keiner gerechnet.

Weniger überraschend, dafür unverständlich ist, dass der Michelin wieder mal auf Abwertungen verzichtet. Denn auch Spitzenrestaurants unterliegen Formschwankungen. Warum das Fischers Fritz seinen zweiten Stern noch trägt und das Cinco – by Paco Perez seinen Stern behalten darf, darüber kann man durchaus streiten. Auf der anderen Seite kann man sich fragen, warum Philipp Liebisch aus dem Zeitgeist oder Matthias Gleiß aus dem Volt keine ­Ehrung bekommen.Zumal die Restaurants kaum unterschiedlicher sein könnten: Das Bandol sur Mer war mal eine Dönerbude, im Nobelhart & Sc hmutzig sitzt man an einer Bar, und es sieht aus wie in einem Club. Am ehesten entspricht noch das Restaurant Markus Semmler den Vorstellungen eines „Gourmettempels“, wie das immer leicht despektierlich heißt. Hier gibt es noch Tischdecken, und auf dem Teller landen schon mal die sonst etwas aus der Mode gekommenen Edelprodukte.

Ehrung für einen alten Hasen. Markus Semmler kochte schon gehobene Küche, da waren einige Sterneköche noch nicht mal in der Schule Foto: Kochkunst Ereignisse

Ehrung für einen alten Hasen. Markus Semmler kochte schon gehobene Küche, da waren einige Sterneköche noch nicht mal in der Schule Foto: Kochkunst Ereignisse
Kocht in einer ehemaligen ­Dönerbude: Andreas Saul vom Bandol sur Mer

Kocht in einer ehemaligen ­Dönerbude: Andreas Saul vom Bandol sur Mer

So ziemlich jedes gehobene Restaurant pflegt deshalb intensiven Kontakt zu den Concierges der gehobenen Hotellerie, in der Hoffnung, sie mögen ihren Gästen den Besuch ihres Restaurants empfehlen. Die internationalen Kunden sind über­lebenswichtig. Deshalb sind auch die Sterne nach wie vor entscheidend. Insbesondere der zweite. Damit steht man international im Schlaglicht der Aufmerksamkeit.26 Sterne hat Berlin mittlerweile, verteilt auf 14 Restaurants. Das ist eine ­Menge. Zum Vergleich: München hat elf, Hamburg zehn. Nie zuvor konnte man in ­Berlin so gut essen. Das ist schön. Schade ist, dass das die Berliner nicht weiter interessiert. Hat man mal das Vergnügen, in einem Zweisterne-Restaurant zu sitzen, wird man schnell staunen, dass kaum ein Tisch mit deutschsprachigen Gästen besetzt ist. Mag sein, dass der eine oder andere Expat dort diniert. Doch Berliner zahlen diese Preise nicht. Auch die nicht, die das Geld haben. Touristen schon. Sie sind der wahre Grund für das Berliner Küchenwunder.

Hier zeigt der Michelin Mut: Im Nobelhart & Schmutzig kocht Micha Schäfer brutal lokal (Foto: Lena Ganssmann)

Hier zeigt der Michelin Mut: Im Nobelhart & Schmutzig kocht Micha Schäfer brutal lokal (Foto: Lena Ganssmann)

So viele Spitzenrestaurants es auch ­geben mag, die Deutschen bleiben das Volk, das gerne viel Geld für teure Küchen, aber wenig Geld für gutes Essen gibt. Wir essen schlecht, davon aber besonders viel, ätzte ein Frankfurter Ethnologe neulich. Bei den Berlinern ist das nicht anders.

Und daran wird sich wohl auch nichts ändern, wenn Tim Raue im nächsten ­November, wenn der Guide Michelin ­seine Ausgabe für 2017 herausgibt, vermutlich als erster Berliner den dritten Stern bekommen wird.

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