Kultur von unten

Straßentheaterfestival Berlin lacht!

Zum achten Mal macht das Straßentheaterfestival Berlin lacht! aus dem Unort Alexanderplatz ein Spielfeld der Ausschweifung, der Utopie und des Staunens
Text: Friedhelm Teicke

Auch der König von Kreuzberg ist wieder dabei. Linaz, der Publikumsliebling der allerersten Ausgabe des Straßentheaterfestivals Berlin lacht!, das dem ­Schweizer Clown 2004 die danach nie wieder ­verliehene ­Krone aufsetzte. Nach Jahren kehrt ­Linaz nun auf das Festival zurück, das inzwischen aber statt auf dem Kreuzberger ­Mari­annenplatz auf dem Alex stattfindet, dort bereits zum ­achten Mal.

„Die Künstler mögen den Alexanderplatz“, sagt Stefanie Roße, Initiatorin und Organisatorin seit Anbeginn, „weil man hier trotz der geschützten Festivalsitua­tion ganz nah am echten Straßenfeeling auftritt.“ Wer auf der Straße spielt, erlebt Schopenhauers drei Triebfedern menschlichen Handelns – Egoismus, Bosheit, Mitleid – mitunter hautnah. Und wie gut der Künstler war, zeigt sich bei der Abstimmung mit dem Hut. Doch selbst der Beste hat immer wieder „funny money“ in der ­Kappe, ausländische Münzen, Knöpfe, so was. Auch der Senat hat für Berlin lacht! kein Geld, das Umsonst-und-draußen-Festival finanziert sich vor allem durch die Gebühren der Standbetreiber.

Das Straßenthea­ter in einem institu­tionellen Rahmen hat es schwer in Deutschland. Anders als in Frankreich oder Italien entspricht die Mischung aus Kunst und Unterhaltung nicht dem förderwürdigen Hochkulturverständnis. Dabei ist Straßenkunst nicht nur die ­jonglierende Clownsnummer sondern auch Aktionskunst, Tanztheater und avantgardistisches Open-Air-Spektakel. Straßen­theater bringt Kultur völlig unelitär unters Volk und sorgt dafür, dass auch Theaterferne hin und wieder einen Blick auf andere Möglichkeiten werfen. Und so das Staunen nicht verlernen.

Unkonventionelle Akrobaten wie die Afro ­Jungle Jeegs aus Kenia, poetische Magiekünstler wie der Brasilianer Funnykito, ­merkwürdige Maschinenstürmer ­wie Paka aus Großbritannien, moderne Clowns wie der Spanier Castas­trofer (ein Publikumsliebling vergangener Ausgaben), feinsinnige Fantasten wie die katalanischen Artisten Guixot de 8 und markante Musiker wie der britische Beat­box-Star MC Xander gehören zu den rund 50 Acts, die den Unort ­Alexanderplatz 18 Tage lang zu einem Spielfeld der Ausschweifung, der Utopie und des Staunens machen. Und, psst, auch bekannte Bands wie die Ohrbooten werden in­ko­g­ni­to auftreten.

23.7.–9.8.2015, 11–22 Uhr, Alexanderplatz, Mitte, Eintritt frei, www.berlin-lacht.de

Foto: Anja Hüttner