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Strukturwandel mal anders: Wohnen im Alter

Im Alter stellt uns der Alltag vor viele größere und kleinere Herausforderungen. Schon in den eigenen vier Wänden werden bei eingeschränkter Mobilität viele übliche Tätigkeiten dann oft schwieriger. Angesichts der immer älter werdenden Gesellschaft kommen dabei verschiedene Fragen auf, wie wir im Alter wohnen und dabei unsere Selbständigkeit erhalten können. Dabei ist einerseits die Politik gefordert, unsere Stadt dem demografischen Wandel anzupassen. Aber auch wir selbst sollten uns rechtzeitig Gedanken darüber machen, wie ein altersgerechtes Zuhause aussehen kann.

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Wie im gesamten Bundesgebiet gibt es in Berlin ebenfalls immer mehr alte Menschen. Der ohnehin angespannte Wohnungsmarkt muss auch auf diese Situation reagieren und für die Zukunft altersgerechten Wohnraum zur Verfügung stellen. Doch wie sieht das in der Praxis überhaupt aus? Welche Anforderungen muss eine Seniorenwohnung erfüllen und wie können wir selbst für eine lebenswerte Umgebung im Alter sorgen?

Wohnungspolitische Herausforderungen in der Zukunft

So lange wie möglich selbstständig zu leben, das wünschen sich die meisten Menschen für ihren Lebensabend. Das gewohnte Umfeld in den eigenen vier Wänden sollte dann auf die veränderten Anforderungen angepasst sein, um dies möglich zu machen. Denn für viele gewinnt das eigene Zuhause dann noch mehr an Bedeutung. Vor allem, wenn die Bewegungsfreiheit mehr und mehr eingeschränkt ist, wird die Wohnung zum Lebensmittelpunkt.

Neben einer eigenen Immobilie sind oftmals auch andere Wohnformen notwendig, um den Bedarf nach mehr Betreuung oder sozialen Kontakten ausreichend decken zu können. Der Bund fördert hier vielfältige Projekte um selbstständiges Leben und Wohnen im Alter zu ermöglichen. Neben dem Stichwort „Barrierefreiheit“ sind auch Kriterien wie soziale Kontakte, verschiedene Alltagshilfen oder leicht erreichbare Infrastruktur sehr wichtig. Hier steht die Stadt Berlin in der Pflicht, diese Punkte bei künftigen Bauprojekten und der langfristigen Quartiersentwicklung zu berücksichtigen und voranzutreiben.

Der demographische Wandel

Eine Statistik des Bundes prognostiziert bis 2030 einen Anstieg der über 65-Jährigen in Deutschland auf etwa 22,3 Millionen. 28 Prozent der Bürger – mehr als jeder vierte – zählt dann zu dieser Altersgruppe. Bei den über 80-Jährigen steigt die Zahl auf 6,4 Millionen. 2050 werden rund 10 Millionen über 80 Jahre alt sein.

Der gesamte Alltag stellt an ältere Menschen ganz andere Herausforderungen. Die oftmals eingeschränkte Mobilität erfordert ein besonderes Umfeld oder zusätzliche Betreuung und Serviceleistungen. Das Kuratorium Deutsche Altershilfe beschreibt dabei einen „zunehmenden Bedarf an altengerechtem Wohnungsbau und pflegerischer Versorgung“, wobei gerade bei den Pflegedienstleistungen Unterstützungen in allen erdenklichen Abstufungen gefragt sein werden. Von der mobilen Haushaltshilfe für die eigenen vier Wände bis zur Rundumbetreuung von Demenzpatienten in einer speziellen Einrichtung wird überall der Bedarf ansteigen.

Auf dem Demografiekongress im September 2016 in Berlin wurde darüber gesprochen, dass mehr Konzepte vorangetrieben werden müssen, damit ältere Menschen möglichst lange selbstständig in den eigenen vier Wänden leben können. „Wir brauchen diese Strukturen, weil es das klassische Familienmodell gerade in Großstädten immer seltener gibt“, so Dr. Matthias Warmuth, Geschäftsführer der BBT-Gruppe, die verschiedene Seniorendienste, Krankenhäuser und Rehaeinrichtungen unterhält. Er fordert hier vielfältige Lösungen, von Mehrgenerationenhäusern, betreutem Wohnen aber auch unabhängige soziale Strukturen in den Quartieren und mehr Engagement durch Ehrenamtliche.

Die Situation in Berlin

Genau dieser Punkt sorgt auch in der Hauptstadt für große Herausforderungen in der Zukunft: Viele Senioren sind im Alter alleinstehend und haben keine nahen Familienangehörigen, welche eine notwendige Betreuung übernehmen könnten. Zwar gibt es immer mehr Seniorenwohnanlagen und Projekte der großen Wohnungsbaugesellschaften oder verschiedenen sozialen Träger, doch für alle wird auf diese Weise nicht ausreichend Platz geschaffen werden können. Zudem sind Heimplätze mit einer entsprechenden Betreuung immer auch eine finanzielle Herausforderung. Konzeptionelle Lösungen, die den individuellen Betreuungsbedarf passgenau bedienen können sind deshalb gefragt. Auf diese Weise können viele noch länger in ihrer gewohnten Umgebung bleiben.

Grundsätzlich macht der demografische Wandel auch vor Berlin nicht Halt. Einerseits zeigen die Statistiken, dass die Bevölkerung hier durch den Zuzug von Arbeitskräften und Flüchtlingen zunächst vor allem durch jüngere Bürger verstärkt wird, dennoch steigt kontinuierlich auch die Zahl der Senioren. 2030 wird laut Prognosen der Anteil der über 65-Jährigen in der Hauptstadt von rund 630.000 (2007) auf 818.000 Personen anwachsen. Prägnant ist auch der Anstieg der Hochbetagten (Personen über 80 Jahre) von 136.000 (2007) auf 255.000 im Jahr 2030.

Eine besondere Herausforderung ist dabei auch die ungleiche Verteilung bei der Altersstruktur. Vor allem in den Rand- und Außenbezirken wird der Anteil der Senioren im Vergleich zu den zentrumsnahen Quartieren höher sein. Ein weiterer Zuwachs an älteren Bürgern wird vor allem für die östlichen Plattenbaubezirke vorausgesagt.

Initiativen und Projekte für altersgerechtes Wohnen

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Neben dem Wunsch, so lange wie möglich im eigenen Zuhause wohnen zu können, sind viele auch aufgeschlossen für andere gemeinschaftliche Wohnformen. Dabei können gleich mehrere Kriterien berücksichtigt werden. Zum einen bleibt so ein umfangreiches soziales Umfeld in unmittelbarer Nähe. Zum anderen können oftmals kostengünstig zentral verschiedene Betreuungs- und Serviceangebote integriert werden.

Von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wurde bereits eine Beratungsstelle für generationenübergreifendes Wohnen in Berlin auf den Weg gebracht. Die Netzwerkagentur GenerationenWohnen dient als zentrale Informationsplattform für alle Fragen rund um das gemeinschaftliche Wohnen im Alter. Einzelpersonen finden hier weitere Interessenten, mit denen auf privater Ebene eigene Wohnprojekte realisiert werden können.

Darüber hinaus kann auf die Hilfe der Berliner Pflegestützpunkte zurückgegriffen werden. Sie informieren über die vielfältigsten Fragestellungen rund um selbständiges Wohnen im Alter:

  • Wohnungssuche ohne Barrieren (Ausstattungsstandards, Finanzierung)
  • Verschiedene Pflegeangebote und Sozialleistungen
  • Altersgerechte Anpassung der eigenen Wohnung
  • Wohnen mit Demenz
  • Wohnberechtigungsschein

Hier kann sich jeder individuell beraten lassen und zu den jeweiligen Bedürfnissen passende Unterstützung erhalten. Die Pflegestützpunkte helfen zudem bei der Antragsstellung von möglichen finanziellen Zuschüssen oder Sozialleistungen. Dazu zählen auch Punkte wie beispielsweise ein Hausnotrufsystem, Mobilitätshilfe im Alltag oder ein Schwerbehindertenausweis.

 

Altersgerechtes Wohnen – Was ist das?

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Das Thema altersgerechtes Wohnen wird immer wieder mit Barrierefreiheit in Verbindung gebracht. Vor allem für öffentlich zugängliche Gebäude gibt es dazu eine ganze Reihe von Vorgaben. Diese sind jedoch im privaten Bereich nur selten in vollem Umfang umsetzbar oder mit hohen finanziellen Investitionen verbunden. Wie eine Wohnung konkret aussehen sollte, richtet sich vor allem nach den individuellen Einschränkungen und Bedürfnissen.

Wer wissen will, ob sein Wohnraum altersgerecht ist, muss sich vor allem verschiedene Punkte zur Ausstattung und den mobilen Anforderungen genauer ansehen:

  • Zugang: Treppenhäuser stellen oft eine beschwerliche oder unüberwindbare Hürde dar. Stufen und Schwellen, fehlende oder mangelhafte Handläufe erschweren den Zugang zur Wohnung ebenfalls. Wer auf einen Rollator angewiesen ist, sollte nicht nur in den Fluren genügend Platz zur Verfügung haben. Hier sind auch Türbreiten von mindestens 80, besser 90 Zentimetern erforderlich.
  • Sanitärräume und Küche: Eine bodenebene Dusche, ausreichend Haltemöglichkeiten und eine Sitzmöglichkeit sind im Bad eine große Hilfe. Auch die Erreichbarkeit der Armaturen spielt eine wichtige Rolle. Dasselbe gilt für die Küche. Auch hier sollten die wichtigsten Dinge in Reichweite liegen.
  • Schlafzimmer: Wer Pflegebedürftig ist, und viel Zeit im Liegen verbringt, sollte ein Bett haben, dass sich verstellen lässt und das rundum gut zugänglich ist.

Oftmals können bereits kleinere Eingriffe dazu beitragen, dass sich Senioren noch lange selbständig zuhause zurechtfinden und versorgen können. Darüber hinaus gehört zu altersgerechtem Wohnen jedoch auch die Möglichkeit verschiedene Hilfsangebote nutzen zu können.

Umfangreiche Herausforderungen

Viele Kleinigkeiten, die bislang mühelos selbst erledigt werden konnten, werden im Alter zum Problem. Die eingeschränkte Mobilität macht vieles schwieriger oder gar unmöglich. Selbst Teppichkanten werden dann zu Stolperfallen, wenige Treppenstufen zum unüberwindbaren Hindernis. Schwindende Körperkraft und ein schlechter werdendes Gedächtnis sorgen zudem bei vielen für eine allgemeine Unsicherheit.

Oftmals ziehen sich die Betroffenen dann zurück, weil der Gang ins Freie nicht mehr so leicht fällt. Darunter leiden dann wiederum die sozialen Kontakte. Wer alleinstehend ist, kann deshalb schnell einsam werden. Bei einigen kommen eingeschränkte finanzielle Mittel hinzu.

Insgesamt zeigt sich, dass es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, das Leben und Miteinander im Alter angenehm zu gestalten. Spätestens wer ein pflegebedürftiges Familienmitglied hat, muss sich mit den verschiedenen Herausforderungen auseinandersetzen. Neben der altersgerechten Gestaltung der Wohnung gehört dann auch dazu, ein weiteres Umfeld zu schaffen, in dem sich die Senioren möglichst selbständig bewegen und soziale Kontakte pflegen können.

Zumindest bezüglich der Infrastruktur beim Einkaufen von Lebensmitteln oder der ärztlichen Versorgung sind die Berliner Bürger gut ausgestattet. Dennochs könnan auch hier bereits kleinste Hürden für eine schlechtere Erreichbarkeit sorgen.

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Mobilität und Selbständigkeit erhalten

Das Altersheim hat hierzulande nicht gerade einen besonders guten Ruf. Viele wehren sich, in ein anonymes Haus mit anderen, fremden Leuten „abgeschoben“ zu werden. Gute Pflege und Betreuung in einem attraktiven Umfeld sind teuer und oft trotz Pflegegeld nicht bezahlbar. Gerade älteren Menschen fällt es schwer, die vertraute Umgebung zu verlassen. Deshalb wünschen sich die meisten, so lange wie möglich zuhause leben zu können.

Dabei ist es hilfreich, sich frühzeitig Gedanken über einen möglichen Umbau zu machen. Verschiedene Maßnahmen um die eigenen vier Wände altersgerecht zu gestalten werden öffentlich bezuschusst. Vor allem der Abbau von Barrieren wie Schwellen, ein seniorengerrechter Umbau der Sanitärräume oder Hilfsmittel zum Überwinden von Treppen und Stufen gehören zu den geförderten Maßnahmen. Aber auch die Verbesserung der Sicherheit in der Wohnung wird berücksichtigt.

Bestehen darüber hinaus körperliche Einschränkungen, kann durch eine Pflegestufe regelmäßiges Pflegegeld beantragt werden. Damit können zum Beispiel Kosten für eine Haushaltshilfe, Essen auf Rädern oder andere Serviceleistungen gedeckt werden. Auf diese Weise können ebenfalls viele noch weiter in ihrem eigenen Zuhause wohnen bleiben.

Smarte Technik für Senioren

Bei der Unterstützung zur Erhaltung der größtmöglichen Selbständigkeit im eigenen Haushalt setzen Forschung und Entwicklung zudem auf technische und elektronische Lösungen. Ohne auf meist kostspielige Pflege- oder Serviceangebote zurückgreifen zu müssen, kann mit Hilfe verschiedener Maßnahmen eine Erleichterung des Alltags und ein gewisses Maß an Sicherheit erreicht werden. Die Smart-Home-Technik macht viele Handgriffe wie das Öffnen und Schließen von Rolläden einfacher. Eine intelligente Lichtsteuerung denkt mit und sorgt für mehr Sicherheit.

Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) fördert auch in diesem Bereich verschiedene Maßnahmen. Wer ohnehin einen Umbau plant, kann zusätzlich zu einer energetischen Sanierung gleich fürs Alter mit vorsorgen. Bestimmte KfW-Programme können zudem miteinander kombiniert werden. Wichtig ist es hier, die Maßnahmen genau zu planen und sich im Vorfeld über eventuelle Vorgaben und die individuellen Möglichkeiten zu informieren. Denn die Anträge für die Fördergelder müssen vor Baubeginn eingereicht werden.

Moderne Technik und einfache, intuitive Bedienbarkeit der smarten Lösungen müssen sich dabei nicht ausschließen. Unter dem Begriff Ambient Assisted Living (AAL) werden verschiedene Hilfen zusammengefasst, die den Alltag elektronisch unterstützen. In Studien wird die Anwendung der smarten Systeme immer wieder getestet. Hausnotruf, Sturzmelder oder Einbruchsicherungen versprechen einen höheren Komfort und mehr Sicherheit im Alltag.

Verschiedene Wohnkonzepte im Überblick

Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten zum Wohnen in den eigenen vier Wänden und zu stationären Wohnformen. Sie unterscheiden sich jeweils vor allem durch den zusätzlichen Betreuungs- oder Pflegeaufwand:

Leben zuhause:

  • Selbständige Versorgung in einer altersgerechten Umgebung bei ausreichender Mobilität
  • Pflege durch Angehörige
  • Professionelle Pflege
  • Wohnen mit anderen in einer Senioren-WG oder einem generationenübergreifenden Haushalt

Stationäre Wohnformen im Alter:

  • Unterbringung mit Kurzzeit- oder Tages- und Nachtpflege
  • Betreutes Wohnen
  • Seniorenresidenz
  • Pflegeheim mit Intensivbetreuung, evtl. mit Palliativmedizinischer Versorgung

Bei den verschiedenen gemeinschaftlichen Wohnformen gibt es zwei große Vorteile: Die Kosten für die Betreuung können einerseits geteilt werden, andererseits ist durch die Konzentration auf einen Standort oft ein umfangreicheres Angebot in unterschiedlichen Bereichen möglich. Gemeinschaftlich genutzte Räume und davon getrennte eigene Zimmer schaffen ein großes Maß an Selbstbestimmung und Privatsphäre. Wenn die Senioren nicht alleine wohnen, macht dies den Austausch mit anderen und die Teilhabe am sozialen Leben um einiges leichter.

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Gesellschaftliche und soziale Aspekte

Für die individuell passendste Wohnform im Alter spielen die verschiedensten Punkte eine Rolle. Nach dem Wunsch, so lange wie möglich im gewohnten Umfeld zu bleiben, wo auch Freunde und Verwandte leben, ist für die meisten auch der finanzielle Rahmen ausschlaggebend.

Bezahlbares Wohnen für alle

Künftig werden noch mehr Menschen von staatlicher Unterstützung oder Pflegegeldzahlungen abhängig sein. Gute Betreuung und zusätzliche Hilfestellungen oder Serviceleistungen kosten Geld. Bislang werden nur wenige von einer umfassenden Alterspflege profitieren können, denn auch das notwendige Personal ist für den demografischen Wandel noch lange nicht ausreichend vorhanden.

Ein Platz im Pflegeheim setzt zumindestens die Pflegestufe 1 voraus. Was von der Kasse nicht bezahlt wird, muss aus eigener Kasse aufgestockt werden. Oftmals ist eine kleine Rente dafür nicht genug. Auch deshalb bleiben viele Senioren in ihrer bisherigen Wohnung und versuchen selbst zurechtzukommen.

Auch sie sind von den explodierenden Mietpreisen in der Stadt betroffen. Bei größeren Wohnungen macht sich selbst eine moderate Mieterhöhung schmerzhaft bemerkbar. Doch auch wer in eine kleinere Wohnung wechseln möchte, muss meist mit höheren Mieten rechnen. Eine schwierige Situation, denn die meisten Rentner wohnen in einem Ein-Personen-Haushalt. In Zukunft wird der Bedarf an kleinen Appartements noch weiter steigen. Hier hinkt die reale Bautätigkeit mit dem Schaffen neuen sozialen Wohnraums immer noch hinterher.

Beratung für altersgerechtes und sozialverträgliches Wohnen bietet auch ein spezielles Projekt, das hauptsächlich ehrenamtlich aufgebaut ist. Anlaufstellen gibt es in Berlin-Wedding und in Berlin-Lichterfelde.

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Soziale Kontakte im Alter

Für die Lebensqualität spielen soziale Kontakte eine tragende Rolle. Vor allem wenn kein Lebenspartner mehr da ist und lange Jahre keine intensiven Freundschaften gepflegt wurden, beschränken sich die wichtigen Beziehungen nur noch auf wenige Personen. Im großstädtischen Umfeld kommt hinzu, dass häufig ein engerer Familienanschluss fehlt, etwa weil Geschwister oder Kinder weggezogen sind.

Die räumliche Distanz bei einem möglichen Umzug in ein Heim sorgt ein weiteres Mal für den Verlust wichtiger Kontakte. Neue Freundschaften schließen sich dann oftmals nicht mehr so leicht. Fehlen soziale Beziehungen, fehlt vielen dann auch die Motivation überhaupt unter Leute zu gehen, was zudem häufig zu einer Verringerung anderer Aktivitäten und auch körperlicher Bewegung führt. Je stärker persönliche Einschränkungen vorliegen, umso höher wird die Hürde, von sich aus soziale Kontakte zu suchen.

Um einer Vereinsamung entgegenzuwirken spielt deshalb das direkte Umfeld eine wichtige Rolle. Je einfacher es ist, auf Leute zu treffen oder an verschiedenen Aktivitäten teilzunehmen, die leicht zu erreichen sind, umso besser gelingt es, nicht in eine völlige Isolation abzudriften. Denn wer selbst nicht mehr in der Lage ist, seine Wohnung zu verlassen, ist auf Besuche von Freunden oder Verwandten angewiesen und bleiben diese aus, beschränken sich soziale Kontakte nicht selten auf die kurze Visite des Pflegepersonals. Gerade für alleinstehende Personen kann es deshalb sinnvoll sein, in ein Wohnprojekt mit gleichgesinnten zu wechseln.

Selbstbestimmung vs. Veränderungsbereitschaft

Schließlich läuft es meist auf denselben Konflikt hinaus: Um weiterhin ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, ist häufig ein Umzug unumgänglich. Sei es in ein altersgerechtes Wohnprojekt mit barrierefreien und entsprechend ausgestatteten Räumlichkeiten oder in ein Heim mit ausreichend Betreuung.

Mit einer solchen großen Veränderung tun sich die meisten jedoch gerade im Alter sehr schwer, das weiß auch David Eberhart, der Sprecher des Verbandes der Wohnungsunternehmen in Berlin-Brandenburg. „Die Leute wollen nicht umziehen, sie sind gerne in ihren großen Wohnungen.“ Beim Wechsel in eine kleinere Bleibe muss man sich dann meist von einigen Möbeln und Erinnerungsstücken trennen. „Gerade für ältere Menschen ist das eine heftige Entscheidung“, so Eberhart. Daran ändern auch Zuschüsse und Prämien der Wohnungsgenossenschaften bei einem Umzug recht wenig.

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