FESTIVAL

Subversiver Tanzen

In seiner 9. Ausgabe rückt das Festival No Limits den Tanz in den Mittelpunkt

„Ashed“ von der Unmute Dance Company aus Südafrika – Foto: Robin Elam Rye

Text: Tom Mustroph

No Limits, Deutschlands größtes und wichtigstes Festival für Inklusion in den Darstellenden Künsten, öffnet sich in diesem Jahr stärker dem Tanz. Das ist durchaus programmatisch. „Im Theater gibt es noch oft den pädagogischen Beigeschmack. Beim Tanz geht es subversiver zu“, erzählt ­Michael Turinsky, Co-Kurator des Festivals und selbst Choreograf mit Behinderung.

Ein Höhepunkt in dem Programm der insgesamt 20 Inszenierungen aus aller Welt dürfte die Werkschau der Unmute Dance Company werden. „Sie ist die einzige Company in Südafrika, in der Künstler mit und ohne Einschränkungen gemeinsam arbeiten. Bei ihnen hat mich neben der hohen Virtuosität auch die enorme Bildkraft ihrer Arbeiten beeindruckt“, sagt Turinsky. Die Truppe ist mit „Trapped“, zwei autobiografischen Soli behinderter Tänzerinnen, sowie mit „Ashed“ (12.11., HAU2) dabei, ­einem Stück, in dem die Erstarrungen der südafrikanischen Gesellschaft mit den in Vulkanasche versteinerten Opfern des antiken Vulkanausbruchs über Pompeji verglichen werden.

Theaterarbeiten gibt es selbstverständlich auch. Monster Truck probt in „Marat/Sade“ den Aufstand (12., 13.11., HAU1), das Theater Thikwa zeigt seine sehr poetische Arbeit „Die Butterblumen des Guten“ (9.11., Thikwa). Die Regisseure Gerd Hartmann und Martin Clausen erforschen ­darin mit ihrem Ensemble das Thema ­„Gewächse der Seele“ mit leichter Hand und viel Humor. Ebenfalls von Thikwa gemeinsam mit dem Künstlerinnenkollektiv hannsjana ist das Spiel mit Männlichkeits-Stereotypen „Diane for a Day“ (7.11., Thikwa Studio). In „Gentle Unicorn“ verwandelt sich die italienische Performerin Chiara Bersani in ein Einhorn (6. , 7.11., HAU 2); in der Dauer-Performance „BORG – again“ ­bewegt sich die schwedische Künstlerin Anna Berndtson bedächtig durch einen Raum voller Tennisbälle.

Kurator Turinsky verspricht sich vom Festival „erfrischende und beglückende Begegnungen von Künstlerinnen, Kuratorinnen und Zuschauerinnen und vor allem einen neuen und von Vorurteilen befreiten Blick auf das Theater und den Tanz behinderter Menschen.“

6.–16.11., HAU 1–3, Ballhaus Ost, Thikwa, Sophien­saele, Eintritt 5–17, erm. 3–10 €, www.no-limits-festival.de