Westbams Club-ABC

T wie Tresor

Neulich war ich auf einem Treffen diverser House-Veteranen der ersten Stunde im Restaurant des Kater Holzig. Nach dem Essen ergab sich die Frage, ob man nicht noch in den Tresor gegenüber wechseln solle, wo irgendwer seinen Geburtstag feierte.

Beeindruckt war ich von Inga Humpe (2raumwohnung), die sich partout weigerte, auch nur einen einzigen Fuß in den neuen, inzwischen nun auch schon fast fünf Jahre alten Tresor zu setzen, weil dies ihre positive Erinnerung zerstören könnte. Meine Erinnerung hingegen ist schon seit Jahren zerstört – und so positiv war sie auch da schon lange nicht mehr.

Natürlich war es großartig im ganz frühen Tresor, diesem freistehenden Bau auf dem noch vollkommen leeren Potsdamer Platz. Ich erinnere mich an ein Event, bei dem ich mit Moby gemeinsam auflegte; an ein Space-Beer-Besäufnis mit Mike Banks von Underground Resistance; an seinen Kollegen Jeff Mills, der sagte: „Toll, das ist das erste Mal, dass wir unsere Musik laut hören“; und ich erinnere mich an die ultimative Berlin-Härte, die der Laden seinerzeit verkörperte. Doch die wurde schnell zum Sinnbild für Techno überhaupt und dann zum Klischee für den Stumpfsinn, den dieses Image auch beinhaltet. Spätestens als der Planet eröffnete, zog der weniger stumpfe Teil der ravenden Bevölkerung dahin weiter.

Tresor-Macher Dimitri Hegemann hatte ja immer eine ganz gute Connection in die Berliner Kulturpolitik. Vielleicht deshalb wurde die Stimmung im „Tresen“, wie der Tresor auch genannt wurde, auf die Dauer dann etwas unangenehm, fast offiziell-staatstragend. Und allerspätestens mit der Eröffnung des neuen, noch riesigeren Tresors wurde die Institution dann endgültig musealisiert.

 

Zeitpunkt des Besuchs: 1991
Adresse des Ladens: Früher Leipziger Straße/Ecke Potsdamer Platz, heute 
Köpenicker Str. 70 in Mitte
Typischer Track: „Sonar System“ von Meng 
Syndicate

 

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