Berliner Kunsthäuser

Taiyo Onorato & Nico Krebs

Durch Eurasien und die USA: Das Schweizer Künstlerduo thematisiert in Foto und Film räumliche Enge und Weite

Augenpaare, die träumend ins Nichts blicken, fremde Gesichter in brutaler Nähe. Der erste Teil der Überblicksausstellung „Defying Gravity“ im Neuköllner Kindl-Zentrum zeigt elf Filme des Schweizer Künstlerduos Taiyo Onorato & Nico Krebs. Seit 2003 arbeiten sie zusammen und sind vor allem für ihre Road­trips bekannt, die sie in „The Great Unreal“ (2005–2009) und „Continental Drift“ (2013–2016) fotografisch sowie filmisch festhielten. Auf den zwei Etagen des ehemaligen Brauhauses ist ihr gesamtes Œuvre zu sehen. Bereits bekannte Werkgruppen reihen sich an neue Arbeiten und kommen ohne tiefere Erklärung aus.

Foto: Jens Ziehe
Reisefotografie, kombiniert mit Baumstamm, der um ein Gitter wuchs: Blick in die Ausstellung im Kindl-Zentrum Foto: Jens Ziehe

Doch die Leichtigkeit des ersten Parts wird von der strengen Trennung des zweiten in Film und Fotografie beinahe wieder aufgehoben. Denn dort hängen fotografische Arbeiten brav neben- ­und agieren kaum miteinander. Ein Bruch, der sich auch inhaltlich in der gesamten Schau erkennen lässt: Leere Orte, endlose Landstriche und Berliner Brachen bilden Pendants zu Alltagsszenen, in denen sich Menschen tummeln, einander physisch nahe sind, ohne Notiz davon zu nehmen. Eben diesen Wechsel zwischen Nähe und Distanz bringen drei neuere Installationen aus gefällten Bäumen auf den Punkt, in deren Stämme in Gitter und Zäune hineingewachsen sind. Sie geben dem Ganzen seine brutale Verträumtheit zurück.

Bis 15.7.: Kindl-Zentrum, Am Sudhaus 3, Neukölln, Mi–So 12–18 Uhr, 5/ erm. 3 €, Kids frei

 

Auch im Kindl (bis 13.5.):

Haegue Yang

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