Gewalt

Teresa Margolles

Jetzt aber schnell: Die mexikanische Künstlerin zeigt beim Daad das ­Ergebnis ihres Berlin-Aufenthaltes

Besticktes Tuch mit Blut und Loch: Teresa Margolles‘ „Sutura“ in der Daad-Galerie
Foto: Jens Ziehe

Ein Jahr in Berlin verbringen die Gäste des Künstlerprogramms am Deutschen Akademischen Austauschdienst. Manche zeigen danach in der Daad-eigenen Galerie nur Studien, Zwischenschritte, andere lassen sich ganz auf ihren Aufenthaltsort ein. Wie Teresa Margolles aus Mexiko, 1963 geboren, Spezialistin für das Thema Tod und in Berlin mit ihren Arbeiten etwa in der großen Mexiko-Schau der Kunst-Werke Ende der 90er-Jahre vertreten.

Margolles hat ihr Stipendium dazu genutzt, mit mexikanischen Berlinern zu sprechen: über ihre Erfahrungen mit Gewalt in Mexiko und in Deutschland, über Politik, Sicherheit, soziale Spannungen, Lebensgefühle. Hoch interessant ist es zuzuhören, sofern man Spanisch kann und sich zu den dezenten Lautsprechern hinun­terbeugen möchte, die ungefähr auf Ohrenhöhe Margolles’ in die Wand eingelassen sind. Alle anderen müssen das Heft mit den Übersetzungen lesen.

Im hinteren Teil des Saals variiert Margolles den Mahnmalstyp der „Stolpersteine“, im Zentrum aber liegt ein blutbeflecktes Tuch. Eine Performerin und, vor den Gesprächen, Margolles’ Interviewpartner haben darauf Linien gestickt, in einer Stunde der Sammlung und des Gedenkens. Das Tuch hat die stärkste Ausstrahlung: nicht, weil es ein Unikat ist oder darin Blut und Handarbeit stecken, sondern weil es auf diese eine Stunde hinweist, die im hiesigen Alltag stets fehlt.

Bis 22.7.: Daad-Galerie, Oranienstr. 161, Kreuzberg, Di–So 12–19 Uhr